Rachelsee

Rachelsee

Ausgangspunkt für eine herrliche Wanderung zum Rachelsee könnte z.B. die sogenannte „Racheldiensthütte“ sein, die über die Sommermonate hinweg bewirtschaftet wird. Sie erreicht man am einfachsten mit einem der Igelbusse des Nationalparks, die die Hütte im Stundentakt anfahren. Schon zu Anfang der Wegstrecke bietet sich dem Wanderer ein erstes landschaftliches Highlight – ein kleiner dichtbewachsener See unmittelbar hinter der Diensthütte.

Weiter geht es in angenehmer Steigung eine knappe halbe Stunde durch einen kühlen, lichten Buchenwald. Entlang des Waldwegs finden sich immer wieder hübsch anzusehende Naturarrangements wie sie nur Mutter Natur hervorzubringen vermag.


Nach einer knappen Stunde Fußweg öffnet sich der Wald und der Blick fällt erstmals auf den nahen Gipfel des Rachels. Der Rachel ist – wie viele Berge im Bayerischen Wald – vom Borkenkäferbefall stark gezeichnet. In den unteren Lagen regeneriert und verjüngt sich der Wald unübersehbar mit grenzenloser Macht. Links und rechts des Weges wird deutlich, dass er – wenn man ihn denn in Ruhe lässt – seine eigenen Gesetze lebt und dementsprechend sich auch entwickelt. Dicht gedrängt stehen Fichtenbäumchen in unterschiedlichsten Größen, Ebereschen, Farne und diverse Sträucher ergeben ein hoffnungsvolles Bild der Waldverjüngung.


Im Rachelgebiet – einst Gletscherzone und einer der größten Gletscher im Bayerischen Wald – sind auch heute noch auffällige und eiszeitliche Spuren zu erkennen. Gerade auf dem Wanderweg hinauf zum See wird man mit Zeugen des ehemaligen Rachel-Gletschers konfrontiert. So führt der Weg lange Zeit über Unmengen an Gesteinsschutt. An exponierten Stellen gewähren interessante Infotafeln Einblicke in die geologische Zeitgeschichte des Rachel-Gebiets. Hier wird die Landschaft durch Moränen geprägt, die sich im Laufe der Jahrtausende bildeten. In den Bergwäldern haben sogenannte „Eiszeit-Relikte“ wie zum Beispielt der Flach-Bärlapp, der Siebenstern, die Ringamsel, Sperlingskauz und Birkenmaus einen Rückzugsraum gefunden.


Endlich – nach ca. zwei Stunden Fußmarsch – ist der Rachelsee erreicht….. es ist wie eine Offenbarung. Still und klar liegt der 5,7ha große See vor mir, eingerahmt vom Bergwald oder besser gesagt: von dem was im Moment aufgrund der massiven Waldschäden noch übrig geblieben ist. In früheren Zeiten war es rund um den See einsam und still, den Menschen war die urwaldähnliche Umgebung unheimlich und fremd. So ranken sich zahlreiche Geschichten um den dunklen Karsee. Angeblich sollen hier die Geister der Verstorbenen „umgegangen“ sein. Nach einer Sage war der See Zugang zur Unterwelt. „Erforscht du mich, verschling ich dich“, erzählte man sich in den Stuben daheim.


Das Gebiet um den Rachelsee gehört heute zum Nationalpark Bayerischer Wald und ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns. Weite Teile befinden sich nach wie vor in urwaldähnlichem Zustand und dürfen nicht betreten werden.
Die kahlen Hänge oberhalb des Sees täuschen leider über die wunderbare Wildnis rund um den Rachel hinweg. In den oberen Lagen wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald aufgrund des Borkenkäferbefalls sichtbar verjüngt haben wird, Zeichen dafür findet der aufmerksame Naturbeobacher zur Genüge.



Entscheidet man sich den Wanderweg weiter in Richtung Rachelgipfel zu gehen, kommt man zur vielbesuchten Rachelkapelle, die einige Höhenmeter über dem Karsee liegt. Von ihr aus eröffnet sich dem Wanderer ein einzigartiger Blick über den See und das angrenzende Waldgebirge. Nach einer gefühlten Ewigkeit trete ich jedoch den Weg zurück in Richtung Racheldiensthütte an, wo schon der Igelbus auf mich und einige andere Wanderer wartet.