Montreal/Quebec 2010

Montreal/Quebec 2010

Mit einem „Klick“ auf das jeweilige Bild wird es geöffnet und in Großansicht gezeigt.

Fotografiert habe ich:

  • Parc Oméga mit Olympus E-620 und dem Zuiko 14-54mm.
  • Wenige Bilder ( Flughafen, Plateau Mont Royal, Down Town) mit Olympus E-PL1, dem Kitobjektiv 14-42mm und dem Panasonic Pancake 20mm.
  • Alle restlichen Bilder mit Panasonic GH-1 und dem Kitobjektiv 14-140mm.

An einem wunderschönen  Sommertag im Juli beschloss meine Tochter, es  wäre Zeit sie zu besuchen!… 24 Stunden später: Der Anreisetag war terminiert, das Ticket gebucht – jetzt hieß es warten auf 9 Tage Montreal…..hmm, wo waren gleich nochmal die Reiseführer vom letzten Besuch?

18. August – Anreisetag

Um rechtzeitig zum check-in am Flughafen zu sein, mussten mein Mann und ich zeitig aufstehen. Wenigstens 2 1/2 Stunden vor Abflug wollte ich in München sein. Bis ich jedoch im Boarding-Bereich Platz nehmen konnte – war eines nötig: Geduld…. Geduld…… Geduld. Vor dem Check-In-Schalter stand man bereits „in Schlange“.

Terminal 1 – Gate D55. Mit einer kleinen Boing  flog ich zuerst bis Paris, dat war nämlich ’n Flug mit Umsteigen! Überhaupt…. an dieser Stelle möchte ich erwähnen: Das Bordessen von Air France… mhhh.. mjajam… lecker  und auch noch  seehr nettes Personal, allein – ich hab sie nie verstanden!  🙂

In Paris hieß es die Beine in die Hand nehmen.  Von Gate D zu Gate F war es  eine furchtbare Lauferei, voraus – ich hatte nur knapp 30 Minuten Zeit und eine Toilette war auch nirgendwo in Sicht. Air France sei Dank erhielt ich beim Einchecken am Airport in München eine Art Stadtplan für den Pariser Flughafen, was mir die Orientierung vor Ort tatsächlich um einiges erleichterte.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie ungemein nett  doch „Air Francler“  sind?

Der knapp sieben stündige Flug von Paris nach Montreal verlief  ohne erwähnenswerte Zwischenfälle, abgesehen davon, dass – aufgrund plötzlich auftretender Turbulenzen über Labrador – ich minutenlang den Herrgott um Hilfe bat. So gesehen bin ich dankbar, dass zu meiner Schulzeit im Lehrplan das Vater Unser und das Gegrüßet Seist Du Maria noch einen hohen Stellenwert hatte. 🙂

Arge Probleme bereiteten mir erneut die kanadischen Einreiseformalitäten in Gestalt eines Din A5 Formulars – selbstverständlich in Französisch und auf der Rückseite in Englisch gehalten. Ich verfluchte im Geiste meine Bequemlichkeit in puncto „ich sollte mal wieder mein Englisch auffrischen“. Um es auf den Punkt zu bringen – nichts ist unangenehmer, als  vom kanadischen Zoll zu den Gründen der Einreise befragt zu werden und  darauf nicht vernünftig anworten zu können.

Egal – wie man unschwer erkennen kann, hatte  ich nicht nur den Flug sondern auch das peinliche Gespräch mit der etwas unfreundlichen Beamtin vom Zoll erfolgreich hinter mich gebracht.

Montreal – Down Town, Tag 1

Die ersten zwei Tage erkundete ich Montreal allein – Anja musste arbeiten und  Mahdi – Anja’s Kumpel – erwarteten wir erst Montag Abend mit der Eisenbahn aus New York. Zeit also, alte Erinnerungen an die Stadt aufzufrischen und mir lieb gewordenen Orte zu besuchen.

So ein Ort ist zum Beispiel der „Place des Arts“ in der großartigen Rue Sainte-Catherine, eine der schönsten und interessantesten  Straßen in ganz Montreal.

Weiter ging es mit der Metro zu Mc Gill und von dort zu Fuß zum „Ville Place Marie“. In Sichtweite thront  stolz auf einem kleinen Hügel – unterhalb des Mont Royal – die renommierteste Uni von Montreal: Mc Gill.

Besonders reizvoll finde  ich  den  Kontrast zwischen den Hochhäusern Down Town’s und den historischen Gebäuden Mc Gill’s.

Natürlich besteht die Innenstadt Montreal’s nicht nur aus Down Town und dem Place des Arts 🙂 Glücklicherweise erwischte ich auch in diesem Jahr ein paar schöne Tage. Architektur bei fadem Wetter  zu fotografieren  ist nicht besonders aufregend. Vor allen Dingen rückt  Sonnenschein die Glasfassaden der Hochhäuser  erst wirklich ins richtige Licht.

und noch eins 🙂

oder  in schwarz/weiß!

Ok, Schluß mit Hochhäusern… vorläufig zumindest 🙂

Mitten in Down Town – eine riesige Plastik vor dem Hochhaus einer Bank – ich liebe dieses Kunstwerk!

Am schönsten  ist es, Montreal vollkommen ohne Zeitdruck kennen zu lernen und dann am besten zu Fuß. Da kommen an einem Tag schon ein paar Kilometer zusammen, wenn man auf Schusters Rappen zum Beispiel von Down Town in die hinterste Ecke von Vieux Montreal – dem alten Montreal – geht. Aber auf dem Weg dorthin begegnet man immer wieder irgendwelchen Dingen, die einen zum Verweilen animieren.

Die farbige Glasfassade fiel mir schon bei meinem ersten Besuch Montreal’s vor drei Jahren auf. Aber damals war ich zur falschen Tageszeit unterwegs, sodass sie zum großen Teil im Schatten lag. Jetzt hatte ich Glück, die Sonne schien volle Breitseite auf das Gebäude,  sodass mir nichts anderes übrig blieb als stehen zu bleiben und ein paar Fotos zu machen.

Gegensätze – das ist überhaupt so ein Stichwort, das Montreal sehr treffend beschreibt.

Zum Beispiel auf St. Denis

oder in Down Town, dem Bankenviertel

oder in Vieux Montreal

Montreal – Vieux Montreal, Tag 2

Ich wollte  unbedingt in’s „alte Montreal“. Leider schien 2010 für die Stadt ein großes Renovierungsjahr zu sein, denn sowohl das Rathaus, der Platz vor dem Place des Arts und  vor der Basilique Notre-Dame war eine einzige Baustelle. Zum Glück hatte ich schon 2007 genügend Fotos gemacht, sodass mich das nicht wirklich tangierte. Es gab auch so genügend Motive, die es lohnte ab zu lichten.

Freilich gibt es auch in Montreal  nicht ganz so schöne Seiten.

In unmittelbarer Nähe zum „alten Montreal“ liegt  „Vieux Port“, der alte Hafen. Viele imposante Gebäude wie zum Beispiel die Markthalle Marché Bonsecours mit  seinen zahlreichen Boutiquen oder der Clock Tower in Sichtweite ließen mein Fotografenherz höher schlagen.

Und immer wieder diese  Pferdekutschen 🙂

Montreal – Vieux Montreal, Tag 3

Es war Samstag und zugleich Anja’s erster freier Tag, sodass wir das erste Mal gemeinsam etwas unternehmen konnten. Allerdings meinte sie, erst mal gründlich ausschlafen zu wollen. Ich nutzte die Zeit, um nochmal ins Zentrum zu fahren, in der Absicht das „Alte Montreal“ abseits der Touristenpfade zu suchen.

So früh am Morgen – selbst die Cafes hatten noch geschlossen – traf ich vielerorts um den Alten Hafen herum auf  Obdachlose, die sich in den ersten Sonnenstrahlen aufzuwärmen schienen.

Am Ende des Alten Hafens – Richtung Pont Jaques-Cartier gesehen – wird fleißig gebaut. Direkt am St. Laurent entstehen kleine, neue Wohnviertel auf engstem Raum, die trotz ihrer Größe  sehr gemütlich wirken.

Gegen Mittag war ich zurück in Anja’s Appartement und wir beschlossen einige Dinge zu erledigen. Meine Tochter hatte u.a.  eine Tanzstunde mit Cornell ihrem Tanzlehrer im „Club“ vereinbart, der mitten in Down Town liegt. Eine gute Gelegenheit ihre größte Leidenschaft – Salsa –  mal life zu erleben. Anschließend stöberten wir in ein paar „Läden“ auf der Rue Ste-Catherine …und nein, wir haben nichts gekauft.. nur geschaut! 🙂

Montreal – Sonia’s Geburtstag, Tag 4

Sonntag Morgen – ich sollte Anja’s beste Freundin kennen lernen, es war ihr Geburtstag und wir wollten gemeinsam frühstücken gehen. Ein bißchen hatte ich  schon Bammel davor – Sonia sprach kein Deutsch und mein Englisch war bis dato unter aller Sau….. Aber wer hätte das gedacht, meine Tochter hatte alles im Griff und das obligatorische „how are you“ kam sogar mir relativ unbeschwert über die Lippen. Wir wollten auf Mont Royal und das Lokal, das die beiden ausgesucht hatten, war wirklich eine gute Wahl, das Frühstück, das ich bestellt hatte in jeder Hinsicht einzigartig. Ich wählte ein Müsli mit frischen Früchten, Joghurt und dazwischen ein paar Cornflakes – kurz – es war das beste was ich diesbezüglich je in einem Lokal serviert bekam.

Leider musste Sonia an diesem und dem nächsten Tag noch arbeiten, sodass wir Beide uns den Rest des Tages mit eher unwichtigen Dingen vertrieben haben.

Montreal – Plateau Mont Royal, Tag 5

Endlich, es war Montag, am frühen Abend sollte Mahdi – Anja’s besten Kumpel – aus New York ankommen. Die Zugfahrt dauerte laut Mahdi ganze 11 Stunden, uns blieb also noch viel freie Zeit.  Die wollten wir für einen kleinen Bummel auf dem „Plateau“ nutzen.  Nach dem Frühstück steuerten wir die Avenue du Mont Royal an, eine der Lieblingsstraßen meiner Tochter.

Ein „städtisches“ Eichhörnchen – viele von ihnen haben sich recht clever dem Leben einer Millionenstadt angepasst. Sie stöbern ziemlich frech in den Mülltüten, die für die Müllabfuhr vor den Häusern abgelegt werden.

no images were found

Plateau Mont Royal – noch eine interessante Seite von Montreal. Hier tickt die Zeit ganz anders, als beispielsweise in Down Town, dem Bankenviertel.  In der Avenue du Mont Royal reiht sich Lokal an Lokal und Laden an Laden, kein Mainstream, sondern in der Regel sehr besondere Geschäfte. Es gibt viele urige Pubs und – die besten „Dumplings“ von Welt in einem kleinen gemütlichen Restaurant mit ungemein freundlichem Service. „Plateau Mont Royal“  und „Sherbrooke“, das gleich nebenan liegt,  sind eigentlich DIE „angesagten“ Viertel der Stadt überhaupt. Kein Wunder also, dass sehr viele Kunstschaffende und Künstler hier ihr Zuhause haben.

Eine MEINER Lieblingsstraßen – Rue Sherbrooke Est

Schließlich rückte der Abend immer näher und wir machten uns auf Mahdi vom Bahnhof abzuholen. Anja erkundigte sich den Tag über mehrmals per SMS, ob die Zugfahrt nach Plan verläuft und wann wir mit der ungefähren Ankunft rechnen könnten.

Er ist ist übrigens RIESSENGROSS…. der Bahnhof! Und um die gesamte Bahnhofshalle fotografieren zu können, hätte ich ein Supersuper-Weitwinkel benötigt 🙂

Anders als bei uns in Europa kommt man in den Staaten nur mit gültigem Ticket auf den Bahnsteig. Gerne hätte ich mir nämlich die Lokomotiven aus der Nähe angesehen, aber unter diesen Umständen: NO CHANCE!!

Und wer hätte es für möglich gehalten, Mahdi’s  Zug lief  pünktlich nach  mehr als 11-stündiger Fahrt im Bahnhof Gare Centrale ein.  Da könnte sich die Deutsche Bahn mal gut eine Scheibe von abschneiden.

Montreal – Parc National du Mont-Tremblant, Tag 6

Für Dienstag hatte wir mit Sonia eine Fahrt in den Nationalpark Mont Tremblant vereinbart, sie hatte sich ein paar Tage frei genommen. Der Parc Mont-Tremblant ist der größte Nationalpark in der Provinz Quebec mit über 10.000km² Fläche und insgesamt 400 Seen. Wir fuhren zeitig am Morgen los und waren bester Dinge. Das Frühstück wollten wir auf unterwegs verlegen, aber gibt es ein Cafe gleich neben dem Highway?? 😉

Ich sage nur ein Wort: FASTFOOD

Fast an jeder strategisch günstig gelegenen Ecke findet man einen Mc Donalds oder das Gegenstück dazu, den  Tim Hortons…. und DA frühstückten wir auch. Unsere Wahl fiel auf „Mäcci“, wobei eine Sache glasklar war: das bestellte Menü hatte weniger wie nichts mit den entsprechenden Bildern, die über der Theke hingen, gemein, soll heißen: Es war einfach grauselig. Naja,  wenigstens den Kaffee konnte man als genießbar bezeichnen und den gab es sogar in Big Size!

Sonia kümmerte sich auch um unsere Wasserversorgung – es lag einiges an Fahrzeit vor uns. Und mit so’n paar Flaschen Wasser konnte bestimmt nichts schief gehen, oder?

Die folgenden Stunden verbrachte ich damit aus dem Autofenster die atemberaubende kanadische Weite zu bewundern. Man muss die Gegend einfach auf sich wirken lassen. Man erlebt vollkommen andere Dimensionen, als  das bei uns in Europa der Fall ist.  Nach einiger Zeit  – wir waren kurz vor St. Donat –  hielt Sonia am Straßenrand an, um mir ein paar Fotos zu ermöglichen.

und ja.. ähem – ich fotgrafierte nicht nur die wundervolle Landschaft……

Schließlich ging’s weiter, hinein nach St. Donat, der letzten größeren Ortschaft in dieser Gegend. Wir wollten eine Kleinigkeit essen und Sonia  sich in einem nahe gelegenen Outdoor-Laden etwas umsehen.

Kurze Zeit später fuhren wir,  frisch gestärkt, Richtung Mont Tremblant, Sonia meinte wir wären bald da. Links und rechts der Straße sah ich schon länger nichts weiter als Wald……

….ich dachte darüber nach, wie es den ersten Siedlern vor hunderten von Jahren  gelungen ist, derartig gigantische Waldflächen zu erschließen und urbar zu machen.

Ein paar hundert Meter vor Beginn des eigentlichen Nationalparks – man bezahlt dafür eine Gebühr – hielten wir erneut für ein paar Bilder. Insgeheim war ich recht froh Mitfahrer und nicht Selbstfahrer zu sein, denn bei der Menge der sich mir bietenden Motive hätte ICH auf dem Weg zum Parc sicher dutzende Male einen Stop eingelegt. 🙂

Es war aber auch wirklich sooo schön!

… Und noch eins von ein und dem selben „Boxenstop“

Ganz in der Nähe entdeckte ich einen Tümpel und wie zu erwarten war….. war er bewohnt….

Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel, einen der zahlreichen Strände im Parc National du Mont-Tremblant. Der Nationalpark bietet nicht nur vielfältige Möglichkeiten für Erholungssuchende, sondern er wird  außerdem sehr gerne von Tages- bzw. Langzeitcampern genutzt.

Nach der langen Anfahrt hatten sich alle eine  Pause verdient……..

…..und Anja sich ihr Fotoshooting 😛

Leider verging die Zeit wie im Flug, wir mussten uns auf den Heimweg machen. Als wir den Parc schon fast hinter uns gelassen hatten, entdeckte Mahdi am Straßenrand plötzlich ein Reh, das friedlich in der Abendsonne graste. Ok, ein kapitaler Elch wäre in dieser Situation noch der Hammer gewesen – praktisch das i-Tüpfelchen unseres Auflugs, aber man sollte nicht undankbar sein…. Es ließ sich sogar für ein paar Aufnahme fotografieren, bevor es sich anschickte wieder im Wald zu verschwinden.

Während der Heimfahrt schlug Sonia vor in einem kleinen Örtchen ein zu kehren. Das „Örtchen“ war eine reizende kleine Gemeinde. Scheinbar ein Touristenmagnet, denn die Hauptstraße war unübersehbar gesäumt von vielen kleinen Souvenier-Läden und Restaurants. Trotzdem wirkte der Ort nicht kitschig und auch nicht überlaufen.

Wir nahmen auf der Terrasse eines Lokals direkt an der Hauptstraße Platz und bestellten „überbackene Zwiebelsuppe“ – angeblich die beste weit und breit.

Sonia hatte nicht übertrieben, die Suppe schmeckte grandios!

Der Ausflug in den Nationalpark war ein wunderbares Erlebnis, allerdings – von dieser Unmenge an Wald  fühlte ich mich am Ende fast etwas erschlagen. Ich versuchte mir  vorzustellen wie es sein mag wenn einem  – mitten in dieser „Wildnis“ – das Benzin ausgeht und man feststellt daheim das Handy vergessen zu haben.

Montreal – Parc Oméga, Tag 7

Den folgenden Tag wollte Sonia uns Parc Oméga zeigen – ein Wildtierpark  120km südwestlich von Montreal nahe der Ortschaft Montebello. In dem äußerst weitläufigen Wald- und  Wiesengelände leben unter anderem heimische Wildtiere wie  der Polarwolf,  der Bison,  der Schwarzbär, Wildschweine und natürlich jede Menge Elche.

Auf der knapp zweistündigen Fahrt nach Montebello klärte uns Sonia über das Besonderes des Wildparks auf: Durch den Park führen zwei große Sand- Straßen, die man  – ähnlich eines Parcours – mit dem Auto abfahren kann.  Am Straßenrand warten – etwas grotesk –  diverse Waldbewohner 🙂 zum Beispiel ausgewachsene Hirsche oder ein Rudel Wildschweine. Sie alle wollen nur das Eine…. mit Mohrrüben und Äpfeln gefüttert werden, die man am besten gleich säckeweise mitgebracht hat.

Zwanzig Meter hinter der Kasse wartete schon ein Quartett Elche auf uns – brav und ohne zu drängeln. Man kurbelt das  Fenster nach unten, streckt  Mohrrübe oder einen Apfel aus dem Fenster und Sekunden später vernimmt man nur noch ein Schmatzen und Mampfen – es war herrlich! 🙂

Weit gefehlt aber zu glauben, die Tiere hätten gegenüber uns Menschen ihre natürliche Scheu gänzlich verloren. Nur einmal hatte ich versucht aus dem Wagen zu steigen, um  besser fotografieren zu können –   sie flüchteten  sofort in den Wald und warteten – in sicherer Entfernung –  bis ich wieder im Auto verschwunden war.

Freilich kann man Parc Oméga auch kritisch hinterfragen. Zum Beispiel, ob es nicht etwas abstrus ist, dass  ausgewachsene 16-Ender oder Elche, so groß wie ein Kleinwagen, am Straßenrand stehen, als würden sie auf den  nächsten Bus warten. Aber irgendwie ist es auch großartig Wildtiere SO aus nächster Nähe zu erleben und obendrein  macht es viel Spaß die Tiere zu füttern.

Grundsätzlich war das Aussteigen aus dem Auto aus Sicherheitsgründen  sowieso strengstens verboten und bei besonders großen Wildtieren – z.B.  den Bisons, war auch Füttern nicht erlaubt. Womit ich auch schon beim Thema wäre…. „the bisons“

Es wurde ganz still im Auto, als plötzlich eine kleine Herde dieser Gewaltbrocken wie aus dem Nichts neben unserem Auto aufgetaucht war.

Der landschaftlich reizvoll angelegte Park kann in manchen Teilen auch zu Fuß erkundet werden.

Dort – abseits der Straße – hatte ich Gelegenheit für ein paar Fotos….. mit MEINEN GANZ PERSÖNLICHEN MODELLS!!! 🙂

Achja, da war auch noch das Braunbärengelände. Meister Petz war – wie die Polarwölfe auch – in einem großen Gehege untergebracht.

Sehr witzig die braunen Fellknäuel, sie schienen überhaupt keine Angst vor uns zu haben. Es war auch nicht wirklich aus zu machen wer eigentlich wen besichtigen wollte 🙂

Leider blieb aus logistischen Gründen nicht besonders viel Zeit lange vor einem Gehege zu verweilen.

Unterwegs begegneten uns immer wieder verschiedene Tiere, die sich ein paar Rüben oder auch Äpfel erhofften. Wildschweine  und Elche erschienen mir zahlenmäßig dabei am meisten vertreten zu sein.

Fast am Ende unserer Besichtigungstour erreichten wir die „zentrale Versorgungsstelle“ des Parks  in Form eines  urtümlichen Holzblockhauses. Seine Frontseite war über und über mit Hirschgeweihen geschmückt, das war wirklich enorm!

Mahdi war sofort in den Bronzebären verliebt, der seitlich vom Eingangsbereich aufgestellt war.

Rund um das Blockhaus hatte die Parkverwaltung eine Art Streichelzoo für die Kleinsten angelegt bzw. in kleineren Gehegen waren ein paar Waschbären und kleine Biber unter gebracht.

Bevor wir uns auf den Heimweg machten – wollte uns Sonia unbedingt noch die Greifvogel-Station, die etwas abseits des Rundparcours gelegen ist, zeigen.  Leider hatten wir nur um wenige Minuten eine der täglichen Schauvorführungen verpasst, konnten aber noch die „Rückführung“ einiger Tiere in ihr Gehege durch die  Falkner mit verfolgen.

Alle Greife – vielleicht 10 – 12 Stück an der Zahl – befanden sich ausnahmslos in exzellentem gesundheitlichem Zustand. Die stolzen Vögel einmal so hautnah erleben zu dürfen, war wirklich eine  feine Sache.

Montreal – Québec City, Tag 8

An meinem vorletzten Tag in Montreal wollte Sonia mit uns nach Québec, ihre Heimatstadt. Dort lebt auch ihre Familie, die wir bei dieser Gelegenheit kennen lernten. Québec ist die Hauptstadt der Provinz Québec und liegt – ebenso wie Montreal – direkt am St Laurent. Gut 300km trennen die Stadt von Montreal und ist – schon alleine der historischen Altstadt wegen – unbedingt eine Reise wert.

Eines der meist fotografiertesten Motive ist mit Sicherheit das Chateau Frontenac – ein Schloss ähnliches Hotel aus dem Jahre 1893, das erhaben auf einem Hügel oberhalb der Stadt thront.

Zu aller erst wollten wir aber Sonia’s Mama „Hallo“ sagen, wo wir doch schon vor Ort waren.

Ich war ganz schön beeindruckt von dem Viertel, in dem Sonia’s Eltern wohnten. Ausnahmslos jedes Haus hatte beinahe „Schlösschen“-Charakter und als Anja mir später erklärte diese Art von  Einfamilienhäuser wären  in Kanada normaler Standard, war ich ziemlich baff.

Eigentlich weiß ich bis heute nicht, ob Sonia ihre Mam über unseren Abstecher nach Québec informiert hatte. Ich hatte jedenfalls den Eindruck,  sie war von unserem Besuch etwas überrascht. Aber eine richtige südamerikanische „Mummy“ stand da in der Eingangstür und schwuppdiwupp hatte sie kurzerhand beschlossen sich unserer Sightseeing-Tour anzuschließen.

Mit viel Glück fanden wir unterhalb der Altstadt einen gebührenpflichtigen Parkplatz – was bedeutete – wir hatten zwei Stunden Zeit die Gegend zu erkunden.

no images were found

Die Straße war gesäumt von vielen Cafe’s und kleinen Lokalen, die schon am frühen Vormittag gut besucht zu sein schienen. Aber noch hatten wir nicht „Haut Ville“ gesehen. Also machten wir uns zielstrebig auf den Weg ins Zentrum des alten Québec’s.

Über einige Steinstufen erreicht man gleich zu Anfang den Hauptplatz der Altstadt von Québec City, der sich in einem fantastischen Zustand präsentierte. Kein Wunder also, dass wir auf eine Menge anderer Touristen trafen, die genauso wie wir begeistert  waren.

Mein ganz persönliches Highlight in Québec – abgesehen vom Chateau Frontenac – war das Gemälde an der Seite eines der historischen Gebäude. Es war so verblüffend natürlich gemalt, dass man es kaum von der restlichen Altstadt unterscheiden konnte.

Spaßig war es  sich vor (oder sollte es besser heißen  in?) dieser Kulisse fotografieren zu lassen.

Der Aufstieg zum Chateau war äußerst kurzweilig, immer wieder blieb ich unterwegs stehen, um jedes Detail in mich ein zu saugen. Das alte Québec ist eine interessante Mischung aus „in-der-Vergangenheit-stehen- geblieben“ und zeitgemäßer Moderne. Manche mögen die Altstadt als eine pure Ansammlung von Kitsch empfinden, in mir jedoch hatte sie eine gehörige Portion Gründergeist geweckt. Schließlich erreichten wir jenes monumentale Bauwerk, das vor mir vermutlich schon hunderttausende anderer fotografiert hatten:  Chauteau Frontenac!

Ach, es war ein Jammer – aus welcher Perspektive ich auch versuchte zu fotografieren, immer passte nur ein Bruchteil des ganzen Bauwerkes in’s Bild. Und bei der Vielzahl der fotogenen Details, fiel es wirklich schwer sich das Richtige aus zu suchen.

Vor dem Hauptportal des Chateau’s  versammelten sich währenddessen verdächtig viele Leute –  das sah schwer nach irgendeiner Veranstaltung aus. Und tatsächlich, wir entdeckten eine kleine Zuschauertribüne, auf der wir – der Dinge harrend – Platz nahmen. Wie wir aus Gesprächen mit anderen Wartenden zwischenzeitlich entnehmen konnten, fand die gesamte Woche über ein internationales Musikkappellen-Festival statt – was für ein Glück. Während der Spielpausen versuchten – sehr zur Freude des Publikums – verschiedene Alleinunterhalter mit ihrem Programm die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen.

Er war das personifizierte Selbstbewusstsein schlechthin!!

Sein „Programm“ war dürftig, seine Performance dagegen hätte selbst Thomas Gottschalk vor Neid erblassen lassen.

Vom Chateau Frontenac aus hat man übrigens einen traumhaften Blick auf die Stadt, den Hafen und noch viiiel  mehr!

Nach einer Weile drängte Sonia’s Mam zum Aufbruch,  wir mussten rechtzeitig am Auto sein. Obwohl etwas in Eile, gab es  reichlich Gelegenheit zum Fotografieren.

Mittlerweile war es Mittag geworden. Sonia’s Mam – es ist übrigens immer gut wenn man Insider an seiner Seite hat  – schlug vor in der „City“ essen zu gehen. Es handelte sich dabei um ein kleines Lokal abseits des Zentrums, welches sowohl für seine gute Küche, als auch seinen moderaten Preisen bekannt war.  Das hatte sich herum gesprochen, das Lokal war proppevoll. Sehr seltsam, was sich in den folgenden Minuten abspielen sollte: Sonia’s Mam drängte sich  durch die Wartenden ins Lokal, um nach einigen Minuten mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu uns auf die Straße zurück zu kehren. Ihre Ansage war: Wir sollen „Warten“! Das bedeutete im Klartext: Hat jemand IM Lokal gegessen und bezahlt, darf jemand von DRAUSSEN nachrücken. Ein wohl bewährtes System im Lokal kein Gedränge aufkommen zu lassen. Eigentlich kein Problem, doch wir waren zu viert…..

Nun, lange Rede kurzer Sinn – wir hatten es geschafft nach weniger als einer halben Stunde an einem frei gewordenen Tisch Platz nehmen zu können. Das Essen war – wie versprochen – reichhaltig und exquisit in einem.  Sollte mich jemals in meinem Leben noch einmal der Weg nach Québec City führen…… 🙂

Ich hätte mir so gerne eines dieser Shirts gekauft!

Sonia’s Mam schlug währenddessen eine kleine Besichtigungstour mit dem Auto rund um die Stadt vor. Wir besuchten dabei  „La Citadelle“, eine militärische Einrichtung und offizielle Residenz der Spitze Cap Diamant.  Die Burg ist Teil der Befestigungsanlage der Stadt Québec, die einzige Stadt mit erhaltenen Stadtmauern in Nordamerika. Zuvor aber riskierten wir einen Blick über die Stadtmauer am Parc des Champs-de-Bataille, einer riesigen Grünfläche. Sie war 1759 Schauplatz der entscheidenden Schlacht zwischen Engländern und Franzosen, einem der wichtigsten militärischen Ereignisse in der nordamerikanischen Geschichte.

Ein paar Kilometer von Vieux Québec  entfernt  liegt der Montmorency-Wasserfall. Er bildet die Mündung des Flusses Montmorency und stürzt über eine Felswand 83 Meter in den Sankt-Lorenz-Strom. Aufgrund der Jahreszeit führte er allerdings wenig Wasser, sodass sich das Donnern und Rauschen des in die Tiefe stürzenden Wassers  in Grenzen hielt, allein, es war trotzdem ein Erlebnis für sich.

Montreal – Abreise, Tag  9:

Wie unvermeidlich, der letzte Tag meines Aufenthaltes war gekommen. Ein bißchen wehmütig fing ich an zu packen. Anja hatte für den Tag einen Termin beim Physiotherapeuten vereinbart, sodass wir aus organisatorischen Gründen leider auf ein Frühstück verzichten mussten. Doch Gott sei Dank, dass es in Montreal kein Problem ist sich unterwegs was zwischen die Zähne zu schieben 🙂 Am frühen Nachmittag war es Zeit das Taxi zu bestellen. Anja und Mahdi wollten mich zum Flughafen begleiten. Was ich niemals vergessen werde, ist die Blechlawine, die sich an diesem Tag (vermutlich aber auch an jedem anderen) über den Highway quälte. Während der Fahrt sinnierten wir über Kanada, Frankreich und Sarkozy im Einzelnen  und über die Provinz Québec im Besonderen. 🙂

Das check-in erfolgte zügig und ich befand mich im Boarding-Bereich.

Noch mehr als zwei Stunden bis zum Start, Zeit für ein Resümee: Die Tage in Montreal vergingen viel zu schnell – 9 Tage sind definitiv sehr knapp. Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch 2007 hatte ich heuer Gelegenheit auch außerhalb von Montreal einiges zu sehen. Das war eine ganz neue Erfahrung, die mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ganz lieben Dank an Sonia, die weder Zeit noch Mühe scheute uns so vieles zu zeigen!! Ganz lieben Dank auch an meine Älteste, der es nie zu viel war zu dolmetschen, zu vermitteln und immer wieder von neuem zu erklären!

Montreal ist eine lebendige, moderne und gleichzeitig alt ehrwürdige Stadt. Ich war fasziniert von den vielen Facetten der Millionen-Metropole. Eine Stadt in der ohne Probleme die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen friedlich Tür an Tür leben. Eine Stadt, die es lohnt wieder und wieder auf’s Neue zu entdecken.