Lusen-Sommerweg

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Jun 012010

gipfelkreuzDer Lusengipfel ist schon seit jeher eines der beliebtesten Wanderziele im Bayerischen Wald. Eine besonders attraktive Tour geht man mit der Strecke “Fredenbrücke – Martinsklause – Teufelsloch – Lusen”. Ausgangspunkt für die ca. 3 1/2 – 4 Stunden dauernde Wanderung über den „Sommerweg“ ist der Parkplatz an der Fredenbrücke, den man linkerhand auf halbem Weg zwischen der Abzweigung Nationalparkstraße/Waldhäuser und Waldhäuser/Ort findet. Die Fredenbrücke ist im übrigen auch ein Haltepunkt der umweltfreundlichen “Igelbusse”, die während der Sommermonate von Mai bis Oktober im dichten Zeittakt im gesamten Nationalparkgebiet unterwegs sind.


martinsklauseEin schmaler Waldweg führt vom Parkplatz aus direkt in den dichten und kühlen Schluchtenwald, eine besondere Art von Mischwald. Schon von weitem höre ich dabei ein munteres Gluckern und Blubbern, ein Rauschen der ganz besonderen Art. Es ist die “kleine Ohe”, die selbst im Hochsommer einiges an kühlem Nass zu Tale führt. Sie begleitet den Wanderer in ständiger Sichtweite hinauf zur Martinsklause. Überhaupt spielt Wasser in dieser Region eine sehr spezielle Rolle, denn im Lusengebiet entspringen zwei der wichtigsten drei Quellflüsse der Ilz: die kleine und die große Ohe. Immer wieder queren etliche kleinere und größere Rinnsale den Wanderweg, die das Quellbächlein unermüdlich mit zusätzlichem Wasser speisen. Nach etwa einer halben Stunde erreiche ich mein erstes Highlight: Die Martinsklause. Still und verträumt liegt der dunkle Triftsee vor mir in dessen Wasser sich malerisch der ihn umschließende Bergwald spiegelt. Ein idealer Ort, um erste Rast zu halten.


ausblick1wegweiserAb der Martinsklause wird der Aufstieg zum Gipfel merklich anspruchsvoller. Der Pfad ist schmal und steinig geworden, gutes Schuhwerk zu haben unerlässlich. Es gilt den zweiten Abschnitt der Tour zu erreichen, das Teufelsloch. Zwar ist in dieser Höhenlage aufgrund von Wurfschäden der Baumbewuchs merklich lichter geworden, andererseits ermöglicht dies einige traumhafte Blicke hinunter ins Tal bis hinaus in den Vorwald. Deutlich steiler als bis zur Martinsklause führt der Weg weiter in Richtung Gipfel und noch immer quert so manches Bächlein meinen Weg. Es ist wirklich erstaunlich, dass selbst nach langen Trockenzeiten die vielen Rinnsale nicht zu versiegen scheinen. Nach einer guten halben Stunde Wegzeit erreiche ich das sagenumwobene Teufelsloch. Hier liegen auf wenigen Quadratmetern verteilt tausende von Granitblöcken, während man weit unter ihnen das dumpfe Rauschen der Ohe vernimmt.


teufelslochbohlenstegDas Teufelsloch hinter mir lassend, liegt nach knapp 30 Minuten Fußweg der Bohlensteg des Hochwalddistriktsteigs vor mir, der zur „Böhmweg-Schutzhütte“ führt. Zumindest bis hierher spendet einem das dichte Blätterdach der Laubbäume kühlenden Schatten. Je mehr man sich aber dem Anstieg zur Himmelsleiter nähert, desto lichter wird auch der Wald.


baumleichenglasarcheEbereschenbüsche und viele junge Fichtenbäumchen säumen nun meinen Weg. Dazwischen ragen kahle und abgestorbene Baumleichen wie mahnende Finger gen Himmel. Hier, in den oberen Höhenlagen, wo es die Vegetation von Haus aus schwer hat Fuß zu fassen, dauert die Regeneration des Waldes naturgemäß ein bisschen länger, als weiter unten im Tal. Doch erkennt der aufmerksame Beobachter deutlich, in welch hoffnungsvolle Richtung es gehen wird. Sehr schön anzusehen ist auch die „gläserne Arche“, ein von Glaskünstlern des Bayerischen Waldes aus 480 Glasscheiben gefertigtes Schiff. Die Glasarche – ein Projekt des Vereins WaldZeit – soll nicht nur die Jahrhunderte alte Glastradition im Bayerischen Wald/Böhmerwald symbolisieren, sondern sie steht auch als ein Zeichen für die Natur.


himmelsleiterhimmelslstufenEndlich – vor mir liegt der spektakulärste Teil meiner Lusenwanderung: Die Himmelsleiter. Kerzengerade verläuft der Weg hin zur steinernen Treppe, die im letzten Abschnitt der Tour steil hinauf und in schier unendlichen Stufen zum Gipfel des Lusens führt. Schon während des Anstiegs zum Gipfelkreuz ist die Aussicht hinüber zum nahen Rachel und dem umliegenden Waldgebirge einfach grandios. Voll freudiger Erwartung auf das Gipfelerlebnis steige ich zügig eine Stufe um die andere nach oben bis ich schließlich das “steinerne Meer” und am Ende das Gipfelkreuz erreicht habe. Der Blick über die Berge des Bayerischen Waldes bis hinüber in den Böhmerwald ist die Krönung einer wunderschönen Wanderung und wird mit Sicherheit so nicht meine letzte gewesen sein.


Über den Sommerweg auf den Lusengipfel – Diashow!

ehemaliges Forsthaus - die RacheldiensthütteAusgangspunkt einer herrlichen Wanderung zum Rachelsee kann z.B. die sogenannte “Racheldiensthütte” sein, die über die Sommermonate hinweg bewirtschaftet wird. Sie erreicht man am einfachsten mit einem der Igelbusse des Nationalparks, die die Hütte im Stundentakt anfahren. Schon zu Anfang der Wegstrecke bietet sich dem Wanderer ein erstes landschaftliches Highlight – ein kleiner dichtbewachsener See unmittelbar hinter der Diensthütte. Weiter geht es in angenehmer Steigung eine knappe halbe Stunde durch einen kühlen, lichten Buchenwald. Entlang des Waldwegs finden sich immer wieder hübsch anzusehende Naturarrangements wie sie nur Mutter Natur hervorzubringen vermag.



Nach einer knappen Stunde Fußweg öffnet sich der Wald und der Blick fällt erstmals auf den nahen Gipfel des Rachels. Der Rachel ist – wie viele Berge im Bayerischen Wald – vom Borkenkäferbefall stark gezeichnet. In den unteren Lagen regeneriert und verjüngt sich der Wald unübersehbar mit grenzenloser Macht. Links und rechts des Weges wird deutlich, dass er – wenn man ihn denn in Ruhe lässt – seine eigenen Gesetze lebt und dementsprechend sich auch entwickelt. Dicht gedrängt stehen Fichtenbäumchen in unterschiedlichsten Größen, Ebereschen, Farne und diverse Sträucher ergeben ein hoffnungsvolles Bild der Waldverjüngung.



Im Rachelgebiet – einst Gletscherzone und einer der größten Gletscher im Bayerischen Wald – sind auch heute noch auffällige und eiszeitliche Spuren zu erkennen. Gerade auf dem Wanderweg hinauf zum See wird man mit Zeugen des ehemaligen Rachel-Gletschers konfrontiert. So führt der Weg lange Zeit über Unmengen an Gesteinsschutt. An exponierten Stellen gewähren interessante Infotafeln Einblicke in die geologische Zeitgeschichte des Rachel-Gebiets. Hier wird die Landschaft durch Moränen geprägt, die sich im Laufe der Jahrtausende bildeten. In den Bergwäldern haben sogenannte “Eiszeit-Relikte” wie zum Beispielt der Flach-Bärlapp, der Siebenstern, die Ringamsel, Sperlingskauz und Birkenmaus einen Rückzugsraum gefunden.



Endlich – nach ca. zwei Stunden Fußmarsch – ist der Rachelsee erreicht….. es ist wie eine Offenbarung. Still und klar liegt der 5,7ha große See vor mir, eingerahmt vom Bergwald oder besser gesagt: von dem was im Moment aufgrund der massiven Waldschäden noch übrig geblieben ist. In früheren Zeiten war es rund um den See einsam und still, den Menschen war die urwaldähnliche Umgebung unheimlich und fremd. So ranken sich zahlreiche Geschichten um den dunklen Karsee. Angeblich sollen hier die Geister der Verstorbenen “umgegangen” sein. Nach einer Sage war der See Zugang zur Unterwelt. “Erforscht du mich, verschling ich dich”, erzählte man sich in den Stuben daheim.



Das Gebiet um den Rachelsee gehört heute zum Nationalpark Bayerischer Wald und ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns. Weite Teile befinden sich nach wie vor in urwaldähnlichem Zustand und dürfen nicht betreten werden.
Die kahlen Hänge oberhalb des Sees täuschen leider über die wunderbare Wildnis rund um den Rachel hinweg. In den oberen Lagen wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald aufgrund des Borkenkäferbefalls sichtbar verjüngt haben wird, Zeichen dafür findet der aufmerksame Naturbeobacher zur Genüge.



Entscheidet man sich den Wanderweg weiter in Richtung Rachelgipfel zu gehen, kommt man zur vielbesuchten Rachelkapelle, die einige Höhenmeter über dem Karsee liegt. Von ihr aus eröffnet sich dem Wanderer ein einzigartiger Blick über den See und das angrenzende Waldgebirge. Nach einer gefühlten Ewigkeit trete ich jedoch den Weg zurück in Richtung Racheldiensthütte an, wo schon der Igelbus auf mich und einige andere Wanderer wartet.





Vollkommen überrascht entdeckte ich vor einigen Wochen unweit des Infozentrums “Hans-Eisenmann-Haus” im Nationalpark Bayerischer Wald ein überdimensionales Holzei, das, laut Nationalparkverwaltung, zu einer der größten Attraktionen im Bereich des Bayerischen Waldes werden soll. Auf Nachfrage erklärte mir ein sehr freundlicher Mitarbeiter des Nationalparks, dass dieses Holzei Teil des gerade im Bau befindlichen Baumwipfelpfades wäre, der Anfang September pünktlich eröffnet wird.

baumwipfelweg-nationalpark-bayerischer-wald-28.September 2009 baumwipfelweg-nationalpark-bayerischer-wald Nun, gestern war es also soweit: Das Ei des Kolumbus – im wahrsten Sinne des Wortes – erwartet uns ab sofort im Nationalpark Bayerischer Wald, genauer gesagt in Neuschönau. In nur dreimonatiger Bauzeit wurde unweit des Hans-Eisenmann-Hauses der längste Baumwipfelpfad der Welt mit 1,3km Gesamtlänge eröffnet. Der Clou bildet dabei der 44m hohe, in Holz gehaltene Aussichtsturm, der der Form eines Ei’s nachempfunden wurde.



baumwipfelweg-nationalpark-bayerischer-wald-4Einen ersten Einstieg zum Baumwipfelweg findet der Besucher am Parkplatz P2 des Tierfreigeländes vís à vís der Infozentrale des Hans-Eisenmann-Haus. Der Pfad schlängelt sich in Höhen zwischen 8 und 25 Metern durch einen herrlichen Bergmischwald. Unterwegs erfährt man an 6 verschiedenen Stationen wissenswertes über den Wald und seine Bewohner. Didaktische, erlebnis- und sinnesorientierte Elemente vermitteln erste Eindrücke der unverfälschten Waldlandschaft des Bayerischen Waldes. Am Ende des Baumwipfelweges schließlich führt einen der Weg direkt in die große Kuppel des Aussichtsturms. Sie umschließt sanft zwei Bayerwaldtannen und eine mächtige Buche, die beim Bau des Gebäudes in das “Holzei” vorsichtig integriert wurden.

Der Hauptzugang befindet sich am Aussichtsturm selbst. Spiralförmig führt der Weg rund um das “Holzei” nach oben, bis man am Ende nach ca. 500m und in 44m Höhe die Aussichtsplattform erreicht hat. Der Aufstieg zum Holzturm wurde über eine Rampe behindertengerecht angelegt, ältere Menschen, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwägen steht ein Aufzug zur Verfügung.

Impressionen vom Baumwipfelweg – April 2010:

Öffnungszeiten:
November–März:9:30h – 15:30h
April–Mai, Oktober: 9:30h – 18:00h
Juni–September: 9:30h – 19:30h Der Eintritt kostet 8 Euro, Familien bezahlen 19 Euro – Einlass ist bis 60 Minuten vor Schließung.

Bei extrem schlechter Witterung (Gewitter, Hagel, Sturm, Eis) bleibt der Baumwipfelpfad aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bei Schneefall wird geräumt und die Wege können gefahrlos begangen werden.

Mehr Infos zum neuen Baumwipfelweg gibt es unter der Seite des Nationalparks Bayerischer Wald.



Unterwegs im Salzachtal

Hohe Tauern Kommentare deaktiviert
Sep 042008

Ende August verbrachte ich – zusammen mit einem befreundeten Motorradfahrer – meinen ersten Urlaub auf “zwei Rädern”. Geplant waren sieben Tage im österreichischen Salzachtal, welches am nördlichen Rand der Hohen Tauern liegt. Leider war das Wetter am Tag der Abreise alles andere als freundlich. Dunkle Regenwolken am Himmel verhießen nichts Gutes, was allerdings unserer Vorfreude auf die kommenden Tage nicht im mindesten trübte.


wolkenverhangen....
der “Naglbauer” – hier schwer wolkenverhangen am Tag unserer Ankunft
Blick vom 1090m hohen “Naglköpfl” in Richtung Westen, es sind nur ein paar Schritte vom Naglkopf-Bauern zum Gipfel des Naglköpfl
Nach etwa vier Stunden Fahrzeit war – bei mittlerweile strömendem Regen – das gebuchte Urlaubsdomizil, ein sehr gemütlicher Bauernhof mit weitumbekannter Jausenstation, erreicht. Das Anwesen liegt etwas unterhalb des Naglköpfl’s in 1090m Seehöhe, von dessen Terasse aus man nicht nur einen atemberaubenden Blick über den östlich gelegenen Teil des Salzachtales hat, sondern auch – quasi vís a vís zum Hof – “Blickkontakt” zu einigen “Dreitausendern” der Hohen Tauern.



Nach einer herzlichen Begrüßung der Hofleute bestaunten wir andächtig bei einem Bier im Wintergarten der Jausenstation das wunderschöne Bergpanorama. Zum Glück versicherte uns noch am Abend der “Naglbauer” auf Nachfrage, dass für die nächsten Tage allerbestes Spätsommerwetter versprochen worden wäre.


auf dem Weg zum Schrägaufzug bietet sich einem ein wunderbarer Blick ins Tal Richtung Kaprun
bequem fährt man im Schrägaufzug zu den Stauseen
Am nächsten Morgen bot sich ein paradiesischer Sonnenaufgang. Das Tal lag unter einer dicken Nebelschicht und hinter den Bergkämmen im Osten ging langsam die Sonne auf. Im Radio wurde von Schneekettenpflicht auf der Großglocknerstraße berichtet und so entschieden wir uns mit dem Auto als erstes die Kapruner Hochgebirgsstauseen zu besuchen. Sie liegen auf einer Höhe zwischen 1068m und 2040m. Den insgesamt 84,9 Mio. m³ bzw. 81,2 Mio. m³ Wasser-Nutzinhalt der beiden Stauseen Mooserboden und Wasserfallboden stehen etwa 237 Mio. kWh bzw. 159,9 Mio kWh Energieinhalt gegenüber. Gebaut wurden sie zwischen den Jahren 1938 und 1955. Die Energieerzeugung findet im Krafthaus Limberg und im Kraftwerk Karprun-Hauptstufe statt. Die Stauseen erreicht man in einer gut zweistündigen Wanderung durch kühlen Bergwald entweder zu Fuß oder – bequem – mit Bus ab Kesselfall-Alpenhaus. Zwar kostet das Ticket für Erwachsene satte 17 Euro, allerdings sind im Preis sowohl die einzelnen Busfahrten talauf- und talabwärts als auch die Fahrt mit Europas größtem, offenen Schrägaufzug, enthalten


Nach dem Mittagessen kehrten wir zu unserem Urlaubsdomizil zurück, um eine erste Erkundungsfahrt mit den Motorrädern zu unternehmen. Nach kurzem Studium der Straßenkarte waren wir uns einig auf der B168 zuerst nach Uttendorf und von dort aus in ein kleines Seitental – dem Stubachtal – zu fahren. Die Karte ließ ein reizvoll geschwungenes Sträßchen vermuten, das nach knapp 20 km und in 1468m Seehöhe im sogenannten Enzingerboden endet.


das war das Wetter bei unserer Ankunft….
…und so während der folgenden Tage… zum Glück
Schon die 3km lange Fahrt vom Hof ins Tal hinab, war ein Genuss… der schmale Güterweg mit vier Kehren führte an reich mit Blumen geschmückten Häusern vorbei nach Walchen hinunter – einem Ortsteil von Piesendorf. Eher ernüchternd wirkten auf uns die nächsten Kilometern bis nach Uttendorf über die hiesige Bundesstraße – viel Verkehr und teils ruppiges Verhalten der Autofahrer erweckten bei der Fahrt auf der unumgänglichen Strecke nicht gerade Begeisterungsstürme in mir. Überhaupt war das Befahren der Hauptverkehrsstraßen in den folgenden Tagen nicht gerade ein Zuckerschlecken, doch nachdem im Hochgebirge Bundesstraßen die einzige Verbindung von Haupttal zu Haupttal und in die Seitentäler sind, waren sie unvermeidlich.


reizvolles Stubachtal
Kühe gab es hier sozusagen “am laufenden Band”….
In Uttendorf angekommen, folgten wir gespannt der Stubachtalstraße am Flüsschen “Stubache” entlang. Von der Weide heimkehrende Kühe kreuzten unseren Weg und ich war recht erstaunt wie diszipliniert die Vierbeiner sich gen heimatlichen Stall bewegten.


ein paar enge und schmale Kehren ließen unser Herz gleich höher schlagen..
Ein paar Kilometer später fing die schmale, jedoch recht gut befahrbare Straße, an sich vorsichtig den Berg hinauf zu schlängeln. Eine Kehre folgte der nächsten, Fahrspaß pur! Im Enzingerboden angekommen – er liegt auf einem Hochplateuau – ging es nach kurzer Pause zurück zum Nagelbauerhof. Wer aber etwas mehr Zeit mitbringt, kann vom Enzingerboden aus mit Hilfe der beiden Gletscherbahnen dem Stausee Tauernmoossee einen Besuch abstatten. Von dort aus eröffnet sich dem Besucher angeblich ein wunderbares Panorama auf das Kitzsteinhorn (3203 m), den Hocheiser (3206 m), den Hohen Kasten (3189 m) und auf das Eiskögele (3426 m).


von den Ausweichen aus konnte man pirma die Landschaft bewundern
Für Montag stand die Großglockner-Hochalpenstraße auf dem Programm. Das Wetter war recht passabel und laut Wetterbericht wurde auch kein Regen vorhergesagt. Als erstes ging es nach Bruck an der Großglocknerstraße – hier warten auf den Motorradfahrer 48 mystifizierte Kilometer Hochalpenstraße mit 36 Kehren und einem einmaligen Naturerlebnis.

Die Passstraße wurde bis 1935 in nur 5 Jahren erbaut und in unseren Tagen zum Kulturdenkmal erhoben. Nach historischen Funden am sogenannten Hochtor – dem höchsten Punkt des Passes – konnte man belegen, dass hier schon seit dreieinhalbtausend Jahren Menschen die Alpen überqueren. Besonders gefielen mir immer wieder die vielen kleinen Ausweichen neben der Straße, die es gerade Zweiradfahrern erleichter kurze Stops einzulegen.



noch etwas verschneit präsentierte sich uns die Hochalpenstraße in den höheren Lagen
die ersten Kehren von Fusch kommend
In Ferleiten, ein paar Kilometer hinter Bruck, liegt die Mautstelle zur gebührenpflichtigen Hochalpenstraße. 18€ pro Bike – und dem Kurvenspaß steht nichts mehr im Wege. Anfänglich windet sich die Straße in sanften Kurven, doch schon nach kurzer Zeit erreicht man die erste von vier aufeinander folgenden Kehren, die – dank großzügigem Ausbau des gesamten Passes – sehr einfach zu befahren sind. Weniger angenehm dagegen war der enorme Verkehr auf der Hochalpenstraße. Viele Reisebusse quälten sich die 14% bis 18% Steigung den Berg hinauf. Nicht selten musste so manches Reisemonster im Tal der qualmenden und stinkenden Bremsen wegen eine Zwangspause einlegen. Für Gespanne ist die Straße aus Sicherheitsgründen von vornherein gesperrt.


auf dem Weg zur Kaiser-Franz-Joseph-Hütte
Das zahlenmäßige Verhältnis von Auto- und Motorradfahrern hielt sich eigentlich die Waage. Zeitweise kamen wir leider an besonders exponierten Stellen, wie z.B. der Anfahrt zur Kaiser-Franz-Joseph-Höhe, von wo aus der Pasterzen-Gletscher zu besichtigen ist, nur im Schritttempo voran. Aus diesem Grund ließen wir den geplanten Abstecher zur Kaiser-Franz-Joseph-Höhe ins Wasser fallen und aßen stattdessen – einige hundert Meter unterhalb der Hütte – eine Kleinigkeit zu Mittag. Ganz so frequentiert hatte ich mir die Großglocknerstraße nicht vorgestellt. Den Gedanken auf mehr als zweitausend Metern Seehöhe einsam seine Kurven zu zirkeln, kann man wirklich getrost vergessen.


eindrucksvolle hohe Tauern
raue Gebirgslandschaft mit karger Vegetation…und auf der Straße ein Schilderwald
Ungeachtet dessen hat mich das landschaftlich eindrucksvolle Gebiet mit seiner rauen Gebirgslandschaft und kargen Vegetation, die unendliche Weite über die Berggipfel hinweg und der Ausblick auf etliche Dreitausender der Hohen Tauern wie dem Hohen Tenn (3.368m), dem großen Wiesbachhorn (3.564m), dem Fuscherkarkopf (3.460m) und natürlich dem Großglockner (3.798m) selbst, doch sehr bewegt.


die Edelweißspitze mit Auffahrt, fotografiert aus etwa 2km Entfernung vom Hochtor aus
vorletzte Kehre zur Edelweißspitze, oben angekommen war ich froh es geschafft zu haben
Was aber wäre für einen Biker die Großglocknerstraße ohne die Edelweißspitze? Sie erreicht man über eine Stichstrecke (oberhalb dem Alpine Naturschau-Haus), die zwar kurz, aber fahrerisch höchst anspruchsvoll ist. Steil ansteigend und zudem durchgehend mit Kopfsteinpflaster belegt, führt sie den Motorradfahrer in ein paar enge und teilweise böse nach innen hängende Kehren – bei Gegenverkehr war höchste Aufmerksamkeit und Vorsicht geboten. Oben angekommen, steht man sich am höchsten Aussichtspunkt des gesamten Passes, einer Plattform auf 2.571m Höhe, dem sogenannten “Bikers-Point” mit einem schier unglaublichen 360° Panoramablick auf mehr als 30(!) Dreitausender. Hier – in luftiger Höhe – nicht wenigstens e i n m a l gewesen zu sein, wäre nicht nur für einen Motorradfahrer einfach unverzeihlich!


trotz kühler Temperaturen war der “Bikers-Point” gut besucht
“Ganz schön kalt hier…”, Gerhard fröstelte es unter seinem Kombi
Aufgrund der Schneefälle der vergangenen Tagen lag sowohl an den Seitenrändern der Auffahrt zur Edelweißspitze, als auch am Aussichtspunkt selbst, noch einiges an Schnee. Es war schon ein seltsames Gefühl Ende August mit winterlichen Straßenverhältnissen konfrontiert zu werden. Dass die zum Teil frostigen Temperaturen niemanden daran hinderte dem “Bikers-Point” einen Besuch abzustatten, sah man ohne Zweifel an dem gut belegten Parkplatz der Plattform. Dutzende Motorradfahrer genossen – ebenso wie wir – die traumhafte Aussicht über die Gebirgszüge der Hohen Tauern.


schier unendlich erschien uns die Weite
Blick auf Zell am See
Mein persönliches Fazit zur Großglockner-Hochalpenstraße: Aus fahrerischer Sicht fordert einem die legendäre Passstraße – entgegen den Beschreibungen in vielen einschlägigen Motorradfahrer-Magazinen – NICHT unbedingt das Letzte ab. Trotzdem ist sie schon allein wegen der vielen, abseits der Straße gelegenen Naturkundeeinrichtungen und den bemerkenswerten Ausblicken auf eines der großartigsten Bergmassive des östlichen Alpenraums, in jedem Fall einen Besuch wert!


romantisches Salzachtal im Hintergrund mit Krimml
mächtige Wassermassen stürzen den Berg hinab
Mittlerweile war es Dienstag und kein Wölkchen am Himmel, kein Nebel im Tal, angenehme Temperaturen – was wollte man mehr? Bei einer Tasse Kaffee und Marmeladebrötchen zum Frühstück beschlossen wir ein zweites Mal mit dem Auto die Gegend zu erkunden. Wir einigten uns recht schnell auf die Krimmler Wasserfälle. Ab Piesendorf über die B 168 in Richtung Neukirchen am Großvenediger waren es ca. 55km – also nicht allzu weit!

Nach gut einer halben Stunde Fahrt führt die Bundesstraße, an den kleineren Gemeinden Vorder- und Unterkrimml vorbei, nach Krimml hinein. Malerisch schmiegt sich das Dörfchen an den Südhang der Berge und bildet gleichzeitig den Abschluss des Salzachtales im Westen.

Millionen von Wassertropfen lagen in der Luft
Schon von weitem hörte ich das Tosen Europas größter Wasserfälle, die bereits im Jahre 1967 mit dem Europäischen Naturschutzdiplom ausgezeichnet wurden. In mächtigen Kaskaden stürzen die Wassermassen mit einer Fallhöhe von sagenhaften 380m über drei Stufen den Berg hinab. Riesige Sprühnebel zauberten abseits der Fälle leuchtende Regenbögen in zart schimmernden Farben. Hunderte Moose, Flechten und Farne finden in diesem Umfeld ihren Lebensraum. Uns bot sich ein überaus beeindruckendes Naturschauspiel.

Kitsch, Kunst und Krempl… leider
Weniger prickelnd fand ich die exorbitante Vermarktung Krimml’s. Teure Parktickets und massig Verkaufsstände zu Beginn des Wasserfallweges, vollgepfropft mit allem erdenklichen Kitsch rund um den Ort und seiner Touristenattraktion, ließen wirklich keine Zweifel aufkommen, dass es sich hier um einen außergewöhnlich großen Besuchermagneten der Hohen Tauern handeln muss.


das Rezept für Kaspressknödel gabs umsonst am Rande des Wanderwegs
eindrucksvoller “Durchblick” auf dem Weg zum höchst gelegenen Wasserfall
Über den bestens präparierten Wanderweg erreicht man in einer guten Stunde den am höchst gelegenen Wasserfall an der sogenannten “Schettbrücke” in 1.460m Seehöhe. Weitere Aussichtskanzeln – verteilt an anderen exponierten Stellen – ermöglichen faszinierende Blicke auf die imposante Kraft des sich herabstürzenden Wassers. Dutzende Fotos später und um manche Erfahrung reicher, ließen wir bei einer gemütlichen Tasse Kaffee in einem Krimmler Gasthaus unsere Erlebnisse etwas nachwirken und besprachen gleichzeitig mögliche Touren für die nächsten Tage.


Etwas später – beim Abendessen – planten wir für den nächsten Tag eine Tagestour in den Zemmgrund, unweit von Mayrhofen gelegen. Über das nachfolgende Zamser Tal und die Schlegeis-Alpenstraße erreicht man den Schlegeis-Stausee, der – wie viele andere Speicherseen im österreichischen Alpenraum – zur Energiegewinnung genutzt wird.

Wald im Pinzgau
Dafür hieß es zuerst aber wieder knapp 50 km Bundesstraße hinter sich zu bringen. Das Befahren der B168 auf 600cm³ Hubraum stellte sich tatsächlich als eine recht leidige Angelegenheit dar. Bei bisweilen riskanten Überholmanövern ungeduldiger Autofahrer musste man ständig auf der Hut sein, nicht selbst unter die Räder zu geraten. Nach knapp 30 Minuten verließen wir schließlich in Wald im Pinzgau die Schnellstraße, um in den Ort hinein abzuzweigen, der sich in einer gelungenen Mischung aus alt und neu präsentierte.

ein Sträßchen nach unserem Geschmack – die alte Gerlosstraße
no risk – no fun!
Ab Ortsende erwartete uns die alte Gerlosstraße. Sie beginnt in Bruck und mündet nach knapp zehn Kilometern – kurz hinter der Pinzgauer Höhe – in die mautpflichtige Gerlospassstraße. Bereits tags zuvor, als wir das nahe gelegene Krimml besuchten, erkundeten wir in Wald den Einstieg in die kleine Straße, die als Ortsunkundiger nicht unbedingt auf Anhieb zu finden ist.


was für eine Aussicht…
unverhofft kommt oft…..
Schon nach den ersten hundert Metern war ich sowohl über die Höhenstraße, als auch über die Aussicht ins Tal fasziniert. Anders als bei der Großglocknerstraße, die leider für den Massentourismus ausgerichtet scheint, fanden wir in der Gerlosspassstraße eine Landstraße der ganz besonderen Art: 17% Steigung und kaum frequentiert, zirkelten wir genussvoll Meter für Meter den Berg hinauf, fuhren voller Spannung in manch unübersichtliche Kurve, nicht ahnend, was uns dahinter erwarten könnte. Es zählte nicht „Speed“, sondern das Abenteuer auf einer nicht zu berechenbaren Straße unterwegs zu sein, wo man zu jeder Zeit und an jedem Ort mit allem erdenklich Unvorhersehbarem konfrontiert werden kann. Immer wieder war die Strecke in manchen Abschnitten kaum zweispurig befahrbar und der Belag ließ an vielen Stellen zu wünschen übrig. Doch waren es nicht gerade diese Unwägbarkeiten, die wir hier – abseits ausgebauter Straßen – zu finden gehofft hatten? Nein, es gab keinen Zweifel – wir waren begeistert!

Speicher Durlaßboden
Gerhard prüft schon mal den weiteren Streckenverlauf
10km weiter bogen wir kurz hinter der Mautstelle zum Gerlospass in die B165 ein und fuhren weiter in Richtung Gerlos/Ort. Zuvor aber wollten wir einen kurzen Halt am Speicher Durlaßboden einlegen, der am unteren Ende der Passstraße zum Gerlostal hin in 1405m Seehöhe liegt. Eine Weile genossen wir auf dem 83m hohen Erddamm den Blick auf das tiefblaue Wasser, in dem sich malerisch ein paar Wolken am Himmel spiegelten, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Vor uns lagen die restlichen km der Gerlos-Passstraße, die nicht nur landschaftliche Reize, sondern auch aus fahrerischer Sicht einiges zu bieten hatte. Unmittelbar vor Zell am Ziller, wo die Passstraße ihr Ende hat, ließen vier Spitzkehren unser Bikerherz noch einmal gewaltig in die Höhe schnellen – was für eine geniale Alpenstraße!

wild-romantischer Zemmgrund
wer das Abenteuer sucht….
In Zell zweigten wir links ab auf die B169. Die 8km bis Mayrhofen waren – im Gegensatz zur Gerlosstraße – recht unspektakulär. Mehr zufällig fanden wir kurz hinter Mayrhofen die Auffahrt in den Zemmgrund hinein, einem Seitental des Zillertales. Gleich zu Anfang weist die Straße bereits eine Steigung von 22% auf und ist schon allein deswegen ebenfalls für Gespanne gesperrt. Da vielerorts nur einspurig, ist eine umsichtige Fahrweise durchaus empfehlenswert.


kleine Sträßchen… das “Salz in der Suppe”
Einige Zeit verläuft das Straße durch eine Schlucht teils überhängenden Felswänden am rauschenden Zemmbach entlang. Die steil aufragenden Berge zu beiden Seiten des kleinen Tals lassen dem Verlauf Strässchen wenig Raum. Mehrere Male durchfährt man an den Berg gebaute Lawinengalerien, die im Winter die Passierbarkeit der Straße sichern müssen.

den Zemmgrund – ein Geheimtip…
…. mit seinen Naturschönheiten rechts und links der Straße
Eigentlich glaubte ich nicht, dass an diesem Tag unsere bisherigen Erlebnisse noch hätten getoppt werden können, doch spätestens im Alpendorf Ginzling wurden wir eines besseren belehrt. Hier beginnt die 13,3 km lange Schlegeis-Alpenstraße, die einen über acht faszinierende Kehren und durch vier Natursteintunnels an der Mautstelle „Breitlahner“ vorbei führt und an deren Ende der Schlegeis-Stausee in 1.782m Seehöhe liegt.

ab der Mautstelle Breitlahner gabs Fahrspaß vom Feinsten
da waren es bis zur Staumauer noch knapp 3km….
Ab der Mautstelle wird das einspurige Straßenstück – ebenso wie im Bereich des Harpfnerwand-Tunnels vor Ginzling – per Ampelschaltung geregelt. Kurz vor den letzten 4 Kehren hinauf zum Stausee fiel unser Blick zum ersten Mal auf die imposante 725m lange Staumauer des Speichersees, der etwa 2km² des Schlegeisgrundes bedeckt.


Die Staumauer hatte gewaltige Dimensionen
Das Sperrwerk selbst ist als doppeltgekrümmte Bogengewichtsmauer ausgeführt und wird von einem Messsystem mit rund 700 Messstellen überwacht. Das Wasser des Schlegeisspeichers fließt durch einen 7,8 Kilometer langen Triebwasserstollen zum Kraftwerk Roßhag und nach der Stromerzeugung durch einen 8,6 Kilometer langen Stollen weiter zum Stillupspeicher.


Postkartenmotive gabs zuhauf
Am Speichersee – als eines der bekanntesten Ausflugsziele in den Zillertaler Alpen – war an diesem spät sommerlichen Tag sowohl das Bergrestaurant Schlegeis als auch die Hütte am Zamsereck gut besucht. Im Bereich des Schlegeis-Stausees lädt ein weitverzweigtes Wegenetz zu kurzen und langen Touren ein. So war es nicht verwunderlich, dass wir hauptsächlich auf Wanderer trafen, die bei einer kleinen Brotzeit die alpine Bergwelt rund um den See genießen wollten. Auch wir machten eine kurze Rast und irgendwo berührte einen das Aufeinandertreffen von hochmoderner Technik und unbändiger Natur auf eigentümliche Art und Weise.


sah stark nach Regen aus….
mitten durch die Schlucht erkennt man einen Teil der Alpenstraße
Aber nicht lang und es wurde Zeit sich auf den Heimweg zu machen. Von Westen her zogen dunkle Regenwolken am Himmel auf und wir überlegten, ob wir an diesem Tag noch trocken den “Naglbauern” erreichen würden? Einstweilen war die Rückfahrt hinunter ins Zillertal über die Schlegeis-Alpenstraße das reinste Vergnügen und etwas wehmütig dachte ich dabei an das nahende Ende der Urlaubswoche.


einer der schönsten Aussichtspunkte hinab ins Salzachtal
noch von weitem zu sehen – die Krimmler Wasserfälle
Unterhalb des Gerlospasses besserte sich Gott sei Dank das Wetter zusehends, ein Regenschauer war uns zum Glück erspart geblieben. So entschieden wir kurzerhand den Weg über die neue Gerlospassstraße zu nehmen, auch wenn sie mautpflichtig war. Wohl reizte sie uns nicht mal annähernd so sehr wie die hinter uns liegenden Kilometer in den Zemmgrund hinein, doch bot sich einem vom „Bikers-Point“ aus ein wunderbarer Blick ins Salzachtal und die Krimmler Wasserfälle.


Spät nachmittags erreichten wir zufrieden den Naglbauerhof. Hinter uns lagen insgesamt 220 wirklich erlebnisreiche Kilometer. Beim Abendessen wurde erneut überlegt, welche Pass- bzw. Höhenstraße sich für eine Tagestour noch anbieten würde. In einigermaßen erreichbarer Nähe schien uns das Rauristal ein lohnenswertes Ziel zu sein.


weit und urtümlich erschien uns das Rauristal
Den Anfang des Rauristals findet man über das Örtchen Taxenbach, ca. 15km östlich von Bruck an der Großglocknerstraße gelegen. In diesem Seitental wurde noch bis vor einigen Jahren von manchen Bauern im Nebenerwerb die Goldwäscherei betrieben, während in der Blütezeit des Goldbergbaus bis zur Mitte des 16.Jahrhunderts im Rauristal rund 2000 Knappen nach dem begehrten „Tauerngold“ schürften.


Heute bietet der Tourismusverein Rauris Urlaubern die Möglichkeit – ausgestattet mit entsprechenden Gerätschaften – an einigen Goldwaschplätzen das „glitzernde Glück“ im Sand der Bäche zu finden. Offenbar ein sehr beliebter Ferienspaß, denn immer wieder sahen wir abseits der Straße – bewaffnet mit Sieben und Schüsseln – Jung und Alt gleichermaßen im Bachbett stehend Nuggets suchen.


vieles war hier noch sehr authentisch
Mir erschien das Rauristal ruhiger, urtümlicher und für den Fremdenverkehr nicht so arg aufbereitet, wie so manch andere Region im Pinzgauer Salzachtal. Die Landschaft prägend, verläuft entlang des gesamten Tals die Rauriser Ache. Immer wieder kann man auf den Weiden – friedlich grasend zwischen den Kühen – größere Herden Pinzgauer Kaltblüter entdecken, eine für die hiesige Region typische Pferderasse.


im Hintergrund die ersten Häuser von Bucheben
ganz ohne Zweifel ein Eldorado für Wanderer
Erst gegen Ende der recht gut zu befahrenden Hauptstraße – ein paar Kilometer hinter Rauris – fängt das Tal bei Bucheben an sich zu verjüngen und verliert einiges an seiner großzügigen Weite. Nach kurzer Zeit erreicht man das Gasthaus Bodenhaus in 1.200m Seehöhe, wo wir später – auf der Rückfahrt – gemütlich eine Tasse Kaffee trinken wollten. Hier – das möchte ich dick unterstreichen – bekam ich den mit Abstand besten Apfelstrudel meines Lebens serviert – hätte mein Urlaub auch nur ein paar Tage länger gedauert, wäre ich allein schon des Strudels wegen mit ziemlicher Sicherheit noch einmal ins Rauristal gefahren.


erstaunte Blicke….
Unmittelbar hinter dem Gasthaus ist an einer kleinen Mautstelle der Obulus für die sogenannte “Kolm Mautstraße” zu entrichten, an deren Ende der Parkplatz Lenzanger in 1.500m Seehöhe liegt. Von hier aus führen etliche Wanderwege in das Kolm-Saigurn Gebiet und den sogenannten Rauriser Urwald – einem landschaftlich besonders interessanten Naturschutzgebiet im Nationalpark Hohe Tauern. Am Parkplatz Lenzanger angekommen, kehrten wir allerdings recht zügig wieder um – mit Motorradkombi eine längere Wanderung zu den umliegenden Hütten zu unternehmen, war nicht gerade ein besonders spannender Gedanke.


Witzig fand ich die am Straßenrand montierten “Kuhsperren” in Form eines unter Strom stehenden Weidezaunpfahls: Zwei dünne, bewegliche Drahtstangen, die man vertikal in Hüfthöhe an jeweils einen Weidepfahl befestigt hatte – sorgten dafür, dass das Weidevieh in seinem Areal gehalten wurde. Mir persönlich war ja diese Vorrichtung anfangs mehr als suspekt, wogegen Gerhard ungerührt mit dem Motorrad hindurch fuhr und mir sofort über Funk versicherte, nicht gestromt worden zu sein – ich war erleichtert!

Am frühen Nachmittag verließen wir das Rauris-Tal und machten uns auf zum 2.941m hohen Hochkönig, einem der herausragendsten Berge im Steinernen Meer. Am besten zweigt man dafür kurz vor Taxenbach nach rechts auf die kleine Höhenstraße nach Embach ab, die u.a. an der Kitzlochklamm vorbeiführt.


im Dientenbach-Tal
Nach ein paar Kilometern überquert man schließlich die Bundesstraße 311. Ab hier führt ein schmales Strässchen durch ein noch schmäleres Tal. Links und rechts ragen die Berge in beachtlicher Höhe gen Himmel. In engen Windungen schlängelt sich die Straße durch das Tal und mehr als einmal machten wir Halt, um die idyllische Gegend ein wenig auf uns wirken zu lassen.

In Höhe der Ortschaft Sonnberg-Dienten fiel unser Blick nach einer lang gezogenen Rechtskurve wie elektrisiert auf eine bezaubernde Kapelle, die wie ein Fingerzeig Gottes, auf einer Anhöhe liegend, erhaben über dem Tal trohnt. Hier musste ich einfach für ein paar Fotos am Straßenrand stehen bleiben.


Nahe Dienten am Hochkönig hielten wir uns auf der Bundesstraße links und bogen in eine weitere Höhenstraße ein. Sie findet im Dientener Sattel auf 1.357m Seehöhe ihren höchsten Punkt und endet kurz vor Mühlbach. An manchen Streckenabschnitten wartete die Alpenstraße mit satten Steigungen von bis zu 18% auf. Nicht nur aus landschaftlicher Sicht war sie ebenfalls – ähnlich der Gerlospassstraße – ein Höhepunkt meines Motorrad-Urlaubs.


am Ende einer Hochalpenstraße…..
Am Ende bogen wir in Mühlbach am Hochkönig ein letztes Mal nach links ab. Nun war es nicht mehr weit bis zum Arthurhaus am Hochkönig in 1.502m Seehöhe. Das Hotel – den Ausdruck „Haus“ möchte ich in diesem Zusammenhang lieber nicht verwenden – ist meiner Meinung nach für ein „Alpenhaus“ leider stark überdimensioniert und auch die Parkplätze, die hinter dem Haus für Wanderer und andere Besucher angelegt worden sind, entsprachen nicht gerade dem, was ich in dieser Abgeschiedenheit erwartet hätte. Allerdings – der gerade gastierende Zirkus, den man gleich unterhalb des Arthurhauses auf einer Plattform platziert hatte, schlug wirklich dem Faß den Boden aus.

Mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Um bei der Rückfahrt nach Piesendorf nicht den vollkommen selben Weg wie auf der Hinfahrt zum Hochkönig nehmen zu müssen, entschlossen wir uns zuerst bis Dienten und dann weiter über den Filzensattel Richtung Maria Alm nach Zell am See zu fahren. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis zum Naglbauerhof.

Für Freitag – den letzten ganzen Urlaubstag – hatte der Wetterbericht den schönsten und wärmsten Tag der Woche vorhergesagt. Was würde sich als abschließende Tagestour noch anbieten? Die Qual der Wahl war groß. Ich wäre gerne ein gerne die Großglocknerstraße gefahren, weil das Wetter beim ersten Mal nur mäßige Temperaturen, Restschnee und viele graue Wolken zu bieten hatte. Diesmal – so hoffte ich – würden wir sicher mehr Glück haben!


der Großglockner links im Bild und daneben der Pasterzengletscher
Heiligenblut – die Südseite des Glocknerpasses
So ging es am nächsten Morgen zeitig los. Tatsächlich war die neuerliche Fahrt der Hochalpenstraße ein einziger Genuß. Wir besichtigten den Pasterzengletscher unterhalb der Kaiser-Franz-Joseph-Höhe und fuhren – anders als beim ersten Mal – weiter bis Heiligenblut, wo wir – bei bestem Spätsommerwetter in der Sonne sitzend – zu Mittag Spezialitäten der Pinzgauer Küche aßen. Es war mit einem Wort: GRANDIOS! Selbst der Panoramablick von der Edelweißspitze aus, ließ keine Wünsche offen. Während am Montag viele Wolken die meisten der umliegenden Dreitausender eingehüllt hatten, bot sich diesmal nicht nur ein freier Blick auf den Großglockner, den “heiligen Berg”, sondern auch auf dutzende andere Bergtitanen der Hohen Tauern.

Wohlbehalten kehrten wir abends zum Naglbauerhof zurück. Nach dem Abendessen wurde noch alles reisefertig verpackt, um am nächsten Morgen zeitig nach Hause fahren zu können. Die Tage im Salzachtal waren abwechslungsreich und voller Höhepunkte. Auch landschaftlich ein Gebiet, das es lohnt zu bereisen oder auch zu erwandern. Ein Urlaub auf zwei Rädern, an den ich mich immer gern erinnern werde.

Vollkommen unerwartet bescherte mir das Jahr 2007 eine Reise nach Montreal, wo seit Juli 2003 meine älteste Tochter Anja Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen studiert. Als sie uns an Weihnachten ‘06 fragte, ob es nicht möglich wäre, dass wenigstens einer ihrer Lieben an der bevorstehenden Bachelor-Abschlußfeier teilnehmen könnte, war nach kurzer familieninterner Diskussion klar, dass ich das sein werde :-)


Dann endlich, es war so weit! 8. Juni 2007, die Koffer gepackt, stand der Fahrt zum Flughafen nichts mehr im Weg. Abgesehen von einer Reise nach Griechenland und in die Türkei in den vergangenen Jahren, sollte dies mein erster längerer Flug, meine erste große Reise überhaupt sein und ich war entsprechend aufgeregt. Wider Erwarten verlief alles ohne nennenswerte Zwischenfälle, pünklich hob das Flugzeug in Richtung Kanada ab.


Ziemlich fasziniert war ich vom Ergebnis der 6-stündigen Zeitverschiebung bei meiner Ankunft in Montreal. Gestartet gegen Mittag in München landete ich nach einem knapp 8-stündigen Flug um 13.50 Uhr (Kanada Ortszeit) in Montreal, was mir ein wenig “spanisch” vorkam! Gleich nach der Gepäckausgabe empfing mich vor dem Flughafengebäude meine Tochter, die – zusammen mit ihrem kanadischen Freund – das “Empfangskommite” bildete. Mein ganz persönliches Abenteuer konnte beginnen – vor mir lagen 10 Tage Aufenthalt in einer der schönsten und interessantesten Metropolen der Welt.


Der Rest des Tages verlief reichlich unspektakulär. Im Appartement meiner Tochter angekommen, schaffte ich gerade noch einen kleinen Spaziergang rund um den Block bevor ich gegen acht vollkommen erschöpft auf der Couch einschlief……


Die folgenden Tage hatte mich der Jetlag fest in seiner Hand. Am nächsten Morgen wachte ich schon zeitig auf und fühlte mich putzmunter, während mein Töchterchen friedlich schlafend in ihrem Bett schlummerte. Was tun? Nach einer Tasse Kaffee und einer schnellen Morgentoilette schien eine kleine Erkundungstour für den Anfang genau das Richtige zu sein. Es war ein fantastisch schöner Sommermorgen und ich war voller Tatendrang……


Lange vor meiner Reise über den großen Teich erklärte mir meine Tochter mehrmals, dass – im Vergleich zu Europa – die räumlichen Dimensionen Kanadas vollkommen andere wären. “Maam, da wirst du etwas umdenken müssen!”, erklärte sie mir bei unseren Telefonaten wissend .


schier nicht endende Straßen
Wie Recht sie doch hatte, denn nicht viel und ich hätte mich bei meinem ersten morgendlichen Ausflug beinahe verlaufen! Die Straße, die ich entlang spazierte, schien schier endlos zu sein. Ich überlegte, ob ich ihr Ende erwarten, oder – vorsichtshalber – den selben Weg zurückgehen sollte. Wie leicht verliert man auf unbekanntem Terrain die Orientierung und soo abenteuerlustig war ich dann auch wieder nicht! Zumindest festigte sich an diesem wunderbaren Morgen bei mir die Erkenntnis: “Andere Länder, andere Sitten” und obwohl ich ab und an zweifelte das Appartement meiner Tochter wieder zu finden, beeindruckten mich diverse Dinge am Straßenrand, die ich SO niemals erwartet hätte:


Ofen zu verkaufen
praktische Wäschetrockner....
Da waren ausgemusterte Hausgeräte, die zum Zweck des Verkaufs einfach mit entsprechender Preisvorstellung vor die Haustür gestellt wurden! “Sehr ökonomisch!” überlegte ich, man spart sich in der Zeitung ein teures Inserat! Gewaschene Wäsche hing in schwindelnden Höhen an meterlangen Rollleinen, die von einem Hauseck zum anderen gespannt waren. Praktisch fand ich die “Hinterhof-Treppen” in allen erdenklichen Konstruktionen. Allerdings gilt es bei Montrealesen als ungeschriebenes Gesetz sie nur in absoluten Notfällen, wie zum Beispiel bei Brandgefahr, zu benutzen.

Nach einer langen langen Weile erreichte ich endlich Anja’s Appartement – sie hatte mich mittlerweile schon vermisst. Für den Nachmittag beschlossen wir den “Jardin Botanique” nahe des ehemaligen Olympiageländes zu besuchen. Der Anblick des gigantischen Freigeländes und die teilweise imposanten Bauwerke gleich neben dem “schiefen Olympiaturm” beeindruckten mich im ersten Moment enorm.


Jardin Botanique
der laubengang
Der Park ist in verschiedenene botanische Themenbereiche aufgeteilt. Gleich neben der Bepflanzug eines typisch alpinen Lebensraumes entdeckte ich die Vegetation samt entsprechenden Baulichkeiten aus dem Reich der Mitte. Zusätzlich beherbergt das Gelände ein paar weitere interessante Bereiche, wie z.B. das Insektarium, in dem 4000 verschiedene Käfer, Raupen, Schmetterlinge und Spinnen nebst ihren Lebensräumen zu bewundern sind. Wunderschön angelegt sind auch der riesige Kräuter- bzw. Bauerngarten mit Laube und Laubengang, die Seerosenbecken, das “Baum-Haus” in dem verschiedene Workshops angeboten werden oder der eindrucksvolle indianische Garten.

Am nächsten Tag besorgte meine Tochter in der nahen Metrostation für mich ein Wochenticket inklusive Übersichtsplan. Damit war – zumindest für den Anfang – meine eigenständige Mobilität gesichert. Metro fahren in Montreal ist im Grunde genommen nichts anderes, als wäre man mit der U-Bahn in München unterwegs… nur größer ist alles – meistens jedenfalls! Was mir besonders auffiel war die Tatsache, dass wirklich jeder mit Rucksäcken oder Taschen gleich welcher Art unterwegs war, in denen der obligatorische mp3-Player untergebracht wurde.


Eigentlich liegt Montreal auf einer Insel. Die Stadt ist nach dem “Mont Royal”, Montreals höchstem Berg, benannt, der malerisch im Stadthintergrund gelegen ist. Sie wird durchquert vom mächtigen St. Lorenz-Strom, dessen gigantisches Ausmaß wirklich nur aus der Vogelsperspektive zu überblicken ist. Zur Stadt gehören außerdem die beiden Inseln Ile St. Hélène und Ile Notre-Dame, die vom St. Lorenz umspült werden. Auf letzterer befindet sich die Rennstrecke “Circuit Gilles-Villeneuve”, wo einmal jährlich das Formel 1-Rennen “Grand Prix du Canada” – Montreals Top-Event – stattfindet.


bauliche Gegensätze
Als erstes wollte ich in die Altstadt “Vieux Montréal” und dem alten Hafen, “Vieux Port”, einen Besuch abstatten. Es war Sonntag und eine wenig lag ein Hauch von gespenstischer Stille zwischen den Häusern, die noch heute – aus architektonischer Sicht – den Geist der Gründerzeit zu tragen scheinen. Alte und historische Gebäude prägen übrigens nicht nur diesen Stadtteil. Im Hintergrund des ursprünglichen Stadtkerns, der in großen Teilen noch ausgesprochen gut erhalten ist, ragen die imposanten Wolkenkratzer “Down Towns” – Montreals Bankenviertel – in die Höhe, was die Silhouette der Stadt fast schon etwas skuril erscheinen lässt. Kaum sonstwo wird man eine so starke Verflechtung von Historie und Moderne finden, als im Zentrum Montreals. Vollkommen ungerührt fügen sich jahrhunderte alte Villen und Kirchen äußerst harmonisch in modernste Gebäudekomplexe ein. Niemand würde diese Verflechtung von Alt und Neu als unnatürlich empfinden, so selbstverständlich erscheint dieses Stadtbild.


Picknickspaß zur Mittagspause
Aus fotografischer Sicht war die Bewältigung meiner Eindrücke in den ersten Tagen nur schwer zu bewältigen. Ein ungewöhnlicher Anblick jagte den nächsten und mehr als einmal stand ich vor dem Problem, wie ich all die großen Häuser und Straßenzüge am aussagekräftigsten ins Bild setzen könnte. Ganz witzig fand ich manche Gewohnheiten der Montrealesen. Mittags zum Beispiel strömten in den Geschäfts- und Bankenvierteln die Angestellten wieselflink aus Büros und Läden auf die Straßen. Schnell waren alsbald umliegende Cafes, Bistros und Speiselokale besetzt, um in aller Ruhe etwas essen zu können. Viele machten es sich auch in den zahlreichen Parks der nächsten Umgebung bequem und es hatte schon fast picknickartige Züge, wenn die Brotzeitdosen ausgepackt wurden. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass es nichts gemütlicheres gibt, als in Montreals Straßenlokalen zu sitzen, zu plaudern und zu essen oder einfach nur bei einem Kaffee dem geschäftigen Treiben rings um einen herum andächtig zuzusehen.



Ein paar Wochen vor meiner Reise hatte ich mir verschiedene Reiseliteratur über Montreal besorgt. Aber natürlich erscheint einem alles – wenn man selbst vor Ort ist – ganz anders, als in den Reiseführern angegeben. Sehr hilfreich war mir zumindest der detaillierte Stadtplan in einem der Büchlein, das ich während meines gesamten Aufenthaltes ständig mit mir führte. Es ist im Übrigen – wie ich bald feststellte – trotz der immensen Größe der Stadt sehr schwer sich zu verlaufen. Die großen Hauptstraßen führen in der Regel gerade durch die Stadt. Dazwischen liegen die kleineren Straßen als Querverbindungen – das ist das ganze Geheimnis……

Schwieriger ist es dagegen – nach meinem Empfinden – in der Stadt mit dem Bus zu fahren. Fast bis zum Schluß meines Aufenthalts blieb es mir im Verborgenen, wie man es schafft den richtigen Bus in die richtige Richtung zu nehmen. Erschwert wurde dies zusätzlich durch die meist sehr unfreundlichen Busfahrer/-innen, denen es offenbar lästig war, wenn sie – noch dazu auf ENGLISCH – um Auskunft gebeten wurden. So beschränkte sich meine motorische Mobilität auf die Metro, wo ich zumindest grob in die Richtung kam, die ich erkunden wollte. Ansonsten war “Fußarbeit” angesagt, was meiner bis dahin leidlichen Kondition sehr entgegenkam……


Erst nach einigenTagen begann mein Körper sich vorsichtig an die Zeitumstellung zu gewöhnen. Ich konnte mittlerweile nachts durchschlafen und wachte morgens gegen sieben auf. Es folgte ein kleines Frühstück und weiteren Erkundungstouren stand danach nichts mehr im Weg.


Metrostation Prefontaine
Etwa fünf Gehminuten vom Appartement meiner Tochter entfernt, lag erfreulicherweise die Metrostation “Prefontaine”. Montreal besitzt – ähnlich München – vier Metro-Linien, die praktisch mehr oder weniger grob die Stadt im Untergrund erschließen. Die einzelnen Linien werden auf den Metro-Fahrplänen der Übersichtlichkeit halber in verschiedenen Farben dargestellt. Zusätzlich wird die Stadt von Süd nach Nord und von West nach Ost von zwei großen Eisenbahnlinien gequert, die gleichzeitig auch Montreal mit dem Rest des kanadischen Ostens verbinden.


Den höchsten Punkt Montreals findet man am “Mont Royal”. Auf ihm errichtete im Jahre 1535 Jacques Cartier bei seiner zweiten Expedition zu Ehren des französischen Königs Franz I. ein mächtiges Holzkreuz, das noch heute als beliebtes Ausflugsziel dient. Damals lebten rund um den Berg, dem Gebiet der heutigen Mc Gill Universität, etwa 1000 Indianer. Deren Vorväter besiedelten schon im 5. Jahrhundert die Region um die heutige Stadt. Das eigentliche Gründungsdatum Montreals wird allerdings auf das Jahr 1642 datiert, als ein gewisser Paul de Chomedey eine französische Siedlung namens “Ville Marie” auf der “Isle de Montréal” ins Leben rief.


In der Geschichte Montreals wird in den darauf folgenden Jahrzehnten an Scharmützeln nicht gerade gespart. Immer wieder kam es mit den Irokesen, die keine Lust hatten sich von den Neuankömmlingen missionieren zu lassen, zu blutigen Auseinandersetzungen. Erst im Jahre 1701 schlossen die Franzosen im “Vertrag von Montréal” Frieden mit den Indianern. Wichtigstes Handelsgut der damaligen Zeit waren im übrigen Pelze, die aus dem Hinterland zu hunderttausenden herangeschafft wurden.


Blick auf Down Town
Oase der Ruhe am Mont Royal
Am “Grand Chalet”, der großen Aussichtsterasse des Mont Royal, gibt es nicht nur kostenlos den grandiosesten Blick auf die gesamte Südseite der Stadt und seinem hügeligen Hinterland, sondern Besucher können in dem etwa 2 km² großen “Park du Mont Royal”, der “grünen Lunge” Montreals, ihre Seele nach Lust und Laune baumeln lassen. In dem zum Naherholungsgebiet ausgebauten Plateau des Berges finden sich u.a. eine weitläufig angelegte Parkanlage mit einen kleinen See, großzügigen Wiesenflächen zum Picknicken und Sonnenbaden und zahlreiche Wege, die ein wahres Fitness-Eldorado für Jogger und Radfahrer sind. Begeistert haben mich am Mont Royal nicht nur die Ruhe und Stille inmitten einer pulsierenden Stadt, sondern die vielen Streifen- und Eichhörnchen, die am hellichten Tag ungeniert im Park herumtollten. Viele Besucher spazierten – ausgestattet mit großen Tüten voller Erdnüsse – über die Parkanlagen, und nicht lange hatte sich eine ganze Schar Eichhörnchen eingefunden… Die niedlichen Vierbeiner warteten gespannt mit den begehrten Leckerbissen gefüttert zu werden.


Absolutes Highlight war ohne Zweifel der Besuch des “Grand Chalet’s” nachts gegen 22.00Uhr. Ein wenig witzig war schon die Anfahrt in Richtung des Plateaus. Seitlich am Straßenrand befanden sich in Abständen zwei Parkplätze, die ebenfall als Aussichtspunkte genutzt werden. Hier parkten – dicht an dicht – ein Auto neben dem anderen. Wie mir Anjas Freund erklärte, treffen sich an dieser Stelle Nacht für Nacht dutzende Jugendliche – die meisten unter 18 – und feiern ausgelassen irgendwelche Feste. Nach kurzer Parkplatzsuche machten auch wir Halt, zwecks Aussicht, doch – was lugte denn da aus einem der Abfallkörbe?? Wir hatten einen Waschbären bei seiner Beutesuche gestört :-)

Montreal bei Nacht
Am Plateau angekommen und nach kurzem Fußmarsch erreichten wir schließlich die großzügig angelegte Aussichtsplattform. Was für ein unvergesslicher Anblick! Millionen von Lichtern erhellten die Stadt! Was für ein fantastisches Erlebnis! Noch heute bin ich Martín für die Fahrt nächtens quer durch die halbe Stadt dankbar, um “Montreal bei Nacht” zu sehen.



Cimetiere Mont-Royal, einer der größten Friedhöfe der Stadt
Emotional sehr bewegt hat mich einer der größten Friedhöfe der Stadt, “Cimetière Mont Royal”, der auf der nördlichen Seite des Mont Royals in Hanglage liegt. Er reicht vom Fuße des Berges bis hinauf auf das Plateau. Der Anblick von hunderten beinahe identisch aussehenden Gräbern, eins ums andere aneinander gereiht, ist mir bis heute im Gedächtnis haften geblieben. Mehr als einmal saß ich – im Schatten der Bäume – an diesem ruhigen Ort, um aus der Hektik der Stadt heraus etwas zur Ruhe zu kommen.



Oratoire St. Joseph
Unterhalb des Friedhofs, auf eine leichte Anhöhe gebaut, ist eines der meist frequentiertesten Monumente Montreals, das 1924 erbaute “Oratoire Saint-Joseph”. Die Basilika, die über 300 schweißtreibende Stufen zu erreichen ist, ist der zweitgrößte christliche Sakralbau der Welt und scheint allem Irdischen entrückt zu sein. Ihren gedanklichen Ursprung findet die Basilika in einer kleinen, hölzernen Kapelle, die ein Glaubensbruder des hl. Joseph – Mönch Frère André – 1904 ihm zu Ehren an diesem Ort gebaut hat. Frère André wurden im Laufe der Zeit Heilkräfte nachgesagt, was schon bald eine wahre Pilgerflut von Kranken und Gebrechlichen nach sich zog. Heute ist das “Oratoire” eine der wichtigsten Wallfahrtsorte Nordamerikas überhaupt, jährlich besuchen rund 2 Millionen Gläubige die Basilika, in dessem Inneren sich die ursprüngliche Kapelle und das Grab des 1982 selig gesprochenen Mönchs befindet.


Das Wetter blieb mir auch die folgenden Tage hold, es war sonnig und fast schon unangenehm warm. Eines meiner bevorzugtesten Ziele war “Down Town” in dessem Zentrum Mc Gill liegt. Im “Business District” sind nicht nur zahlreiche Banken und Hotels, sondern auch viele Haupteinkaufsstraßen gelegen. Zwar kann sich das montrealesische “Wolkenkratzerviertel” größenmäßig kaum mit seinem Equivalent Manhatten in New York messen, dennoch strahlte es auf mich eine nie da gewesene Anziehungskraft aus.



ein Märchenschloß mitten im Geschäftsviertel?
riesig - Montreals Untergrund-Einkaufmeile
Nicht weit von Mc Gill entfernt, liegt “Place Ville Marie”, ein verspiegelter Hochhauskomplex, der sich auf einem kreuzförmigen Grundriss erhebt. 1962 wurden unter diesem Gebäude die ersten Geschäfte Montreals exorbitant großer Shoppingmeile – “Ville Souterraine” eröffnet, eine Untergrundstadt, die wahrlich ihresgleichen sucht. Mittlerweile befindet sich auf mehreren Ebenen und mit Metrobahnsteigen, Hochhauskomplexen und oberirdischen Außeneingängen verbunden, ein weit verzweigtes, kilometerlanges System von Banken, Kaufhäusern, Einzelhandelsgeschäften, Boutiquen, Restaurants, Fast-Food-Läden, Hotels, Kneipen und Kinos. Die unterirdische Einkaufsstadt ist im Laufe der Jahre auf eine Länge von 29km angewachsen und mit 1600 Geschäften, 200 Restaurants, 40 Banken und 30 Kinos die größte ihrer Art weltweit. Mehr als einmal hatte ich versucht mich in diesem Ladenlabyrinth zurechtzufinden, aber ohne Erfolg.


Systematisch erkundete ich weiter Tag für Tag die Umgebung verschiedener Metro-Stationen, meistens die der “grünen Linie”. Besonders interessant fand ich den Place d’Artes, einen großzügig angelegten Platz mit Springbrunnen und Treppen, der – umgeben von einem Ensemble aus Konzertsälen, Theatern und Ausstellungsräumen – stets gut bevölkert war. Hier tummelten sich bevorzugt Skateboardfahrer, denen es offenbar Freude machte ihre Künste dem restlichen Publikum zu präsentieren.


Vom Place-des-Artes aus gelangt man auf eine der schillerndsten Einkaufsstraßen der Innenstadt, die “Rue Ste Catherine”. Wer bei einem Besuch in Montreal nicht wenigstens einmal an den unzähligen Boutiquen, Cafes und Restaurants vorbeiflaniert ist, ist wirklich zu bedauern und hat ein Stück “real life” Montreals schlichtweg ausgelassen!. Ich selbst querte allerdings aus einer ganz anderen Ecke auf die Straße auf – zu Fuß versteht sich – und irgendwann – in sengender Mittagshitze – hatte ich fast schon die Hoffnung aufgegeben jemals wieder den Eingang einer Metrostation zu finden, was die Behauptung meiner Tochter, Rue Ste Catherine wäre endlos, in meinen Augen nur untermauerte.


Blick auf Chinatown
Einen Tag hatte ich mir für einen Trip ins chinesische Viertel, dem Kleinen China Town reserviert. Meine Tochter schwärmte oft wie “cool” es dort wäre, sodass ich nicht umhin kam es mir selbst anzusehen. Zwar hat China Town im Grunde nur eine einzige wichtige Einkaufs- und Verkehrsstraße, die meiner Meinung nach jedoch eine ganze Menge asiatisches Flair verströmte.



historische Gebäude nahe des alten Hafens
Auch der “Altstadt” Montreals “Vieux Montréal” mit seinen Kopfstein gepflasterten Gassen, war ich recht gewogen. Sie war einer der wenigen Orte der Stadt, die mich ein wenig an das ferne Europa erinnerte. Unweit der Metrostation Place d’Armes z. B. liegt eine der eindrucksvollsten Kirchen der Stadt, die großartige “Basilique Notre Dame”. Sie ist die älteste Kirche der Stadt und wurde 1657 errichtet. Allerdings suchten in Folge mehrere Brände die Basilika heim und so wurde eines Tages ein Neubau unumgänglich. Im Inneren werden zahlreiche von Matrosen gestiftete Schiffsmodelle aufbewahrt.


Kirchen in Montreal sind sowieso ein ganz eigenes Kapitel für sich. Als Europäer erwartet man gerade in Kanada, wo kaum krichlichlicher Proporz existiert, eher nüchtern und zweckmäßig eingerichtete Sakralbauten. So war ich nicht minder erstaunt, als ich mir eine Eintrittskarte für jene Basilika kaufte, in der man als Besucher sogar auf d e u t s c h die Entstehungsgeschichte in Broschüren nachlesen kann. Niemals zuvor sah ich in irgendeiner Kirche meiner Heimat derartig märchenhafte Pracht. Es war unglaublich – ich befand mich in einem Hauch aus 1001 Nacht! Nicht anders erging es mir beim Besuch manch anderem Gotteshauses in Montreal. Ich kann nur jedem Reisenden ans Herz legen wenigstens eine dieser vielen sehenswerten Kirchen sich genauer anzusehen.


Montreals Rathaus
Stadtzeichen Montreals
Eine Metro-Station weiter am “Champ des Mars” liegt Montreals alt-ehrwürdiges Rathaus, das “Hôtel-de-Ville”, von dessen Balkon Charles de Gaulle 1967 mit dem Ausruf “Vive le Quebec libre!” die Separationsbewegung neu entfachte. Gleich unterhalb des Rathauses erstreckt sich in abschüssiger Lage ein breiter, gepflasterter Platz – verkehrsberuhigt und gesäumt von etlichen kleinen Cafes in denen – besonders im Sommer – die Montrealesen gemütlich ihren Kaffee trinken. In Sichtweite des Rathauses liegt zudem der alte Hafen Montreals, der für Fotografen ein wahres Eldorado ist.


imposantes Biosphere-Gebäude
Schnell war die erste Woche vergangen und es gab noch so vieles, was ich besichtigen hätte wollen. Auf keinen Fall entgehen lassen wollte ich mir jedenfalls das futuristisch aussehende “Biosphere” auf einer der beiden Inseln Montreals – Ile Saint-Helene. Der Gedanke beim Anblick der kuriosen, netzwerkartigen Aluminiumkonstrukition, man befände sich mitten in einem Science-Fiction-Film, liegt durchaus nahe, wenn man dem 80m hohen Gebäude gegenüber steht. Auf dem Rest der Insel befindet sich unter anderem ein riesiger Vergnügungspark und ein ebenso großes Freizeitgelände, dessen Ursprung auf die in Montreal 1967 veranstaltete Expo zurück geht. Auch das Bioshpere-Gebäude ist ein Überbleibsel der Expo und lockt immer noch tausende Besucher an. In dessen Innerem gibt es ständig Ausstellungen zum Thema Ökologie des St.-Lawrence-Flusssystems und der Großen Seen.

Während meines Spazierganges auf dem weitläufigem Gelände der Insel entdeckte ich vollkommen unverhofft ein paar putzige Vierbeiner. An einer Stelle des Flußufers tummelten sich in der Morgensonne munter einige Murmeltiere und irgendwie erinnerte mich ihr Anblick an den Film “Und ewig grüßt das Murmeltier”. Leider waren die possierlichen Tierchen sehr scheu, sodass ich mich ihnen nur bis auf knapp 20 Meter nähern konnte. Überhaupt begegneten mir gerade auf dieser Insel das eine oder andere typisch “amerikanische” Objekt, wie z.B. die großen gelben Schulbusse, die ich aus amerikanischen Fernsehfilmen kannte.


Abkühlung tut gut bei bei gefühlten 35° im Schatten
wie süüüß..
An einem der sonnigen Nachmittage stand auch der “Parc la Fontaine” auf dem Programm. Er lag nur eine Metrostation zur Wohnung meiner Großen entfernt, unweit der Rue Sherbrook, der größten Straße im Osten Montreals. Am Rande des Parks konnte man sich an einem künstlich angelegten See erfrischen oder man lag unter den vielen schattenspendenden Eichen und Buchen im Gras und ließ den lieben Gott einfach einen guten Mann sein. Anja und ich besuchten den Park an diesem Tag allerdings wegen der zahlreichen Eichhörnchen, die hier lebten. Kaum zu glauben, welch witzige und kuriose Szenen sich hier abspielten. Immer wieder scharten sich die wieselflinken Kletterer in Scharen um eine einzige Person, solange sie nur mit Erdnüssen gefüttert wurden. Zuerst pirschten sich nur ein oder zwei der Nagetiere vorsichtig an das Objekt ihrer Begierde. Doch sobald klar war, dass es Fressbares gab, fanden sich am Ende oft mehr als ein dutzend der Tierchen am Futterplatz ein. Die angebotenen Nüsse wurden einem förmlich aus der Hand gerissen!


attraktive Häuserzeilen gabs zu Hauf
Meine letzten Tag in Montreal verbrachte ich gezielt mit Spaziergängen in diversen Wohnvierteln der Stadt, in denen ich mir erhoffte das typische “canadian way of life” kennen zu lernen. Ich stellte dabei fest, dass hier Arm und Reich oft nur eine Querstraße voneinander trennt. Dass die Montrealesen alles was nicht mehr benötigt wird, in mehr oder minder großen Plastiktüten auf den Bürgersteigen deponiert, wo es irgedwann von irgendwelchen Mülldiensten entsorgt wird. Einiges im Leben der Montrealesen spielt sich außerdem auf den kleinen überdachten “Vorhaus-Terassen” der Wohnhäuser ab. Insgesamt gesehen trifft auf Montreal tatsächlich der Spruch “andere Länder – andere Sitten” zu und ich war ehrlich erstaunt, wie sehr meine Tochter in nur vier Jahren sich ihre Lebensgewohnheiten zu eigen gemacht hatte.


Als ich nach knapp zwei Wochen Urlaub für den Rückflug wieder am Flughafen Montreal stand, war ich trotz der vielen Erlebnisse in dieser faszinierenden Stadt froh bald heimatliche Erde unter den Füßen zu spüren. Beim Landeanflug auf München’s Flughafen dankte ich im stillen meinem Herrgott, in Bayern wohnen zu dürfen :-) ) Von oben betrachtet erschien mir dies Fleckchen Erde als überschaubar und wohlgeordnet. Es war schön wieder daheim zu sein! Hinter mir lagen teils abenteuerliche Tage, die man zusammenfassend umschreiben könnte mit: “Kevin allein in New York”……….. es war ja soooo cool!