Lusen-Sommerweg
Der Lusengipfel ist schon seit jeher eines der beliebtesten Wanderziele im Bayerischen Wald. Eine besonders attraktive Tour geht man mit der Strecke “Fredenbrücke – Martinsklause – Teufelsloch – Lusen”. Ausgangspunkt für die ca. 3 1/2 – 4 Stunden dauernde Wanderung über den „Sommerweg“ ist der Parkplatz an der Fredenbrücke, den man linkerhand auf halbem Weg zwischen der Abzweigung Nationalparkstraße/Waldhäuser und Waldhäuser/Ort findet. Die Fredenbrücke ist im übrigen auch ein Haltepunkt der umweltfreundlichen “Igelbusse”, die während der Sommermonate von Mai bis Oktober im dichten Zeittakt im gesamten Nationalparkgebiet unterwegs sind.
Ein schmaler Waldweg führt vom Parkplatz aus direkt in den dichten und kühlen Schluchtenwald, eine besondere Art von Mischwald. Schon von weitem höre ich dabei ein munteres Gluckern und Blubbern, ein Rauschen der ganz besonderen Art. Es ist die “kleine Ohe”, die selbst im Hochsommer einiges an kühlem Nass zu Tale führt. Sie begleitet den Wanderer in ständiger Sichtweite hinauf zur Martinsklause. Überhaupt spielt Wasser in dieser Region eine sehr spezielle Rolle, denn im Lusengebiet entspringen zwei der wichtigsten drei Quellflüsse der Ilz: die kleine und die große Ohe. Immer wieder queren etliche kleinere und größere Rinnsale den Wanderweg, die das Quellbächlein unermüdlich mit zusätzlichem Wasser speisen. Nach etwa einer halben Stunde erreiche ich mein erstes Highlight: Die Martinsklause. Still und verträumt liegt der dunkle Triftsee vor mir in dessen Wasser sich malerisch der ihn umschließende Bergwald spiegelt. Ein idealer Ort, um erste Rast zu halten.
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Ab der Martinsklause wird der Aufstieg zum Gipfel merklich anspruchsvoller. Der Pfad ist schmal und steinig geworden, gutes Schuhwerk zu haben unerlässlich. Es gilt den zweiten Abschnitt der Tour zu erreichen, das Teufelsloch. Zwar ist in dieser Höhenlage aufgrund von Wurfschäden der Baumbewuchs merklich lichter geworden, andererseits ermöglicht dies einige traumhafte Blicke hinunter ins Tal bis hinaus in den Vorwald. Deutlich steiler als bis zur Martinsklause führt der Weg weiter in Richtung Gipfel und noch immer quert so manches Bächlein meinen Weg. Es ist wirklich erstaunlich, dass selbst nach langen Trockenzeiten die vielen Rinnsale nicht zu versiegen scheinen. Nach einer guten halben Stunde Wegzeit erreiche ich das sagenumwobene Teufelsloch. Hier liegen auf wenigen Quadratmetern verteilt tausende von Granitblöcken, während man weit unter ihnen das dumpfe Rauschen der Ohe vernimmt.
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Das Teufelsloch hinter mir lassend, liegt nach knapp 30 Minuten Fußweg der Bohlensteg des Hochwalddistriktsteigs vor mir, der zur „Böhmweg-Schutzhütte“ führt. Zumindest bis hierher spendet einem das dichte Blätterdach der Laubbäume kühlenden Schatten. Je mehr man sich aber dem Anstieg zur Himmelsleiter nähert, desto lichter wird auch der Wald.
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Ebereschenbüsche und viele junge Fichtenbäumchen säumen nun meinen Weg. Dazwischen ragen kahle und abgestorbene Baumleichen wie mahnende Finger gen Himmel. Hier, in den oberen Höhenlagen, wo es die Vegetation von Haus aus schwer hat Fuß zu fassen, dauert die Regeneration des Waldes naturgemäß ein bisschen länger, als weiter unten im Tal. Doch erkennt der aufmerksame Beobachter deutlich, in welch hoffnungsvolle Richtung es gehen wird. Sehr schön anzusehen ist auch die „gläserne Arche“, ein von Glaskünstlern des Bayerischen Waldes aus 480 Glasscheiben gefertigtes Schiff. Die Glasarche – ein Projekt des Vereins WaldZeit – soll nicht nur die Jahrhunderte alte Glastradition im Bayerischen Wald/Böhmerwald symbolisieren, sondern sie steht auch als ein Zeichen für die Natur.
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Endlich – vor mir liegt der spektakulärste Teil meiner Lusenwanderung: Die Himmelsleiter. Kerzengerade verläuft der Weg hin zur steinernen Treppe, die im letzten Abschnitt der Tour steil hinauf und in schier unendlichen Stufen zum Gipfel des Lusens führt. Schon während des Anstiegs zum Gipfelkreuz ist die Aussicht hinüber zum nahen Rachel und dem umliegenden Waldgebirge einfach grandios. Voll freudiger Erwartung auf das Gipfelerlebnis steige ich zügig eine Stufe um die andere nach oben bis ich schließlich das “steinerne Meer” und am Ende das Gipfelkreuz erreicht habe. Der Blick über die Berge des Bayerischen Waldes bis hinüber in den Böhmerwald ist die Krönung einer wunderschönen Wanderung und wird mit Sicherheit so nicht meine letzte gewesen sein.
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Ausgangspunkt einer herrlichen Wanderung zum Rachelsee kann z.B. die sogenannte “Racheldiensthütte” sein, die über die Sommermonate hinweg bewirtschaftet wird. Sie erreicht man am einfachsten mit einem der Igelbusse des Nationalparks, die die Hütte im Stundentakt anfahren. Schon zu Anfang der Wegstrecke bietet sich dem Wanderer ein erstes landschaftliches Highlight – ein kleiner dichtbewachsener See unmittelbar hinter der Diensthütte. Weiter geht es in angenehmer Steigung eine knappe halbe Stunde durch einen kühlen, lichten Buchenwald. Entlang des Waldwegs finden sich immer wieder hübsch anzusehende Naturarrangements wie sie nur Mutter Natur hervorzubringen vermag.
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Nach einer knappen Stunde Fußweg öffnet sich der Wald und der Blick fällt erstmals auf den nahen Gipfel des Rachels. Der Rachel ist – wie viele Berge im Bayerischen Wald – vom Borkenkäferbefall stark gezeichnet. In den unteren Lagen regeneriert und verjüngt sich der Wald unübersehbar mit grenzenloser Macht. Links und rechts des Weges wird deutlich, dass er – wenn man ihn denn in Ruhe lässt – seine eigenen Gesetze lebt und dementsprechend sich auch entwickelt. Dicht gedrängt stehen Fichtenbäumchen in unterschiedlichsten Größen, Ebereschen, Farne und diverse Sträucher ergeben ein hoffnungsvolles Bild der Waldverjüngung.
Im Rachelgebiet – einst Gletscherzone und einer der größten Gletscher im Bayerischen Wald – sind auch heute noch auffällige und eiszeitliche Spuren zu erkennen. Gerade auf dem Wanderweg hinauf zum See wird man mit Zeugen des ehemaligen Rachel-Gletschers konfrontiert. So führt der Weg lange Zeit über Unmengen an Gesteinsschutt. An exponierten Stellen gewähren interessante Infotafeln Einblicke in die geologische Zeitgeschichte des Rachel-Gebiets. Hier wird die Landschaft durch Moränen geprägt, die sich im Laufe der Jahrtausende bildeten. In den Bergwäldern haben sogenannte “Eiszeit-Relikte” wie zum Beispielt der Flach-Bärlapp, der Siebenstern, die Ringamsel, Sperlingskauz und Birkenmaus einen Rückzugsraum gefunden.
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Endlich – nach ca. zwei Stunden Fußmarsch – ist der Rachelsee erreicht….. es ist wie eine Offenbarung. Still und klar liegt der 5,7ha große See vor mir, eingerahmt vom Bergwald oder besser gesagt: von dem was im Moment aufgrund der massiven Waldschäden noch übrig geblieben ist. In früheren Zeiten war es rund um den See einsam und still, den Menschen war die urwaldähnliche Umgebung unheimlich und fremd. So ranken sich zahlreiche Geschichten um den dunklen Karsee. Angeblich sollen hier die Geister der Verstorbenen “umgegangen” sein. Nach einer Sage war der See Zugang zur Unterwelt. “Erforscht du mich, verschling ich dich”, erzählte man sich in den Stuben daheim.
Das Gebiet um den Rachelsee gehört heute zum Nationalpark Bayerischer Wald und ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns. Weite Teile befinden sich nach wie vor in urwaldähnlichem Zustand und dürfen nicht betreten werden.
Die kahlen Hänge oberhalb des Sees täuschen leider über die wunderbare Wildnis rund um den Rachel hinweg. In den oberen Lagen wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald aufgrund des Borkenkäferbefalls sichtbar verjüngt haben wird, Zeichen dafür findet der aufmerksame Naturbeobacher zur Genüge.
Entscheidet man sich den Wanderweg weiter in Richtung Rachelgipfel zu gehen, kommt man zur vielbesuchten Rachelkapelle, die einige Höhenmeter über dem Karsee liegt. Von ihr aus eröffnet sich dem Wanderer ein einzigartiger Blick über den See und das angrenzende Waldgebirge. Nach einer gefühlten Ewigkeit trete ich jedoch den Weg zurück in Richtung Racheldiensthütte an, wo schon der Igelbus auf mich und einige andere Wanderer wartet.
Vollkommen überrascht entdeckte ich vor einigen Wochen unweit des Infozentrums “Hans-Eisenmann-Haus” im Nationalpark Bayerischer Wald ein überdimensionales Holzei, das, laut Nationalparkverwaltung, zu einer der größten Attraktionen im Bereich des Bayerischen Waldes werden soll. Auf Nachfrage erklärte mir ein sehr freundlicher Mitarbeiter des Nationalparks, dass dieses Holzei Teil des gerade im Bau befindlichen Baumwipfelpfades wäre, der Anfang September pünktlich eröffnet wird.
8.September 2009
Nun, gestern war es also soweit: Das Ei des Kolumbus – im wahrsten Sinne des Wortes – erwartet uns ab sofort im Nationalpark Bayerischer Wald, genauer gesagt in Neuschönau. In nur dreimonatiger Bauzeit wurde unweit des Hans-Eisenmann-Hauses der längste Baumwipfelpfad der Welt mit 1,3km Gesamtlänge eröffnet. Der Clou bildet dabei der 44m hohe, in Holz gehaltene Aussichtsturm, der der Form eines Ei’s nachempfunden wurde.
Einen ersten Einstieg zum Baumwipfelweg findet der Besucher am Parkplatz P2 des Tierfreigeländes vís à vís der Infozentrale des Hans-Eisenmann-Haus. Der Pfad schlängelt sich in Höhen zwischen 8 und 25 Metern durch einen herrlichen Bergmischwald. Unterwegs erfährt man an 6 verschiedenen Stationen wissenswertes über den Wald und seine Bewohner. Didaktische, erlebnis- und sinnesorientierte Elemente vermitteln erste Eindrücke der unverfälschten Waldlandschaft des Bayerischen Waldes. Am Ende des Baumwipfelweges schließlich führt einen der Weg direkt in die große Kuppel des Aussichtsturms. Sie umschließt sanft zwei Bayerwaldtannen und eine mächtige Buche, die beim Bau des Gebäudes in das “Holzei” vorsichtig integriert wurden.
Der Hauptzugang befindet sich am Aussichtsturm selbst. Spiralförmig führt der Weg rund um das “Holzei” nach oben, bis man am Ende nach ca. 500m und in 44m Höhe die Aussichtsplattform erreicht hat. Der Aufstieg zum Holzturm wurde über eine Rampe behindertengerecht angelegt, ältere Menschen, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwägen steht ein Aufzug zur Verfügung.
Impressionen vom Baumwipfelweg – April 2010:
Öffnungszeiten:
November–März:9:30h – 15:30h
April–Mai, Oktober: 9:30h – 18:00h
Juni–September: 9:30h – 19:30h
Der Eintritt kostet 8 Euro, Familien bezahlen 19 Euro – Einlass ist bis 60 Minuten vor Schließung.
Bei extrem schlechter Witterung (Gewitter, Hagel, Sturm, Eis) bleibt der Baumwipfelpfad aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bei Schneefall wird geräumt und die Wege können gefahrlos begangen werden.
Mehr Infos zum neuen Baumwipfelweg gibt es unter der Seite des Nationalparks Bayerischer Wald.
Unterwegs im Salzachtal
Ende August verbrachte ich – zusammen mit einem befreundeten Motorradfahrer – meinen ersten Urlaub auf “zwei Rädern”. Geplant waren sieben Tage im österreichischen Salzachtal, welches am nördlichen Rand der Hohen Tauern liegt. Leider war das Wetter am Tag der Abreise alles andere als freundlich. Dunkle Regenwolken am Himmel verhießen nichts Gutes, was allerdings unserer Vorfreude auf die kommenden Tage nicht im mindesten trübte.
Nach einer herzlichen Begrüßung der Hofleute bestaunten wir andächtig bei einem Bier im Wintergarten der Jausenstation das wunderschöne Bergpanorama. Zum Glück versicherte uns noch am Abend der “Naglbauer” auf Nachfrage, dass für die nächsten Tage allerbestes Spätsommerwetter versprochen worden wäre.
Nach dem Mittagessen kehrten wir zu unserem Urlaubsdomizil zurück, um eine erste Erkundungsfahrt mit den Motorrädern zu unternehmen. Nach kurzem Studium der Straßenkarte waren wir uns einig auf der B168 zuerst nach Uttendorf und von dort aus in ein kleines Seitental – dem Stubachtal – zu fahren. Die Karte ließ ein reizvoll geschwungenes Sträßchen vermuten, das nach knapp 20 km und in 1468m Seehöhe im sogenannten Enzingerboden endet.
Die Passstraße wurde bis 1935 in nur 5 Jahren erbaut und in unseren Tagen zum Kulturdenkmal erhoben. Nach historischen Funden am sogenannten Hochtor – dem höchsten Punkt des Passes – konnte man belegen, dass hier schon seit dreieinhalbtausend Jahren Menschen die Alpen überqueren. Besonders gefielen mir immer wieder die vielen kleinen Ausweichen neben der Straße, die es gerade Zweiradfahrern erleichter kurze Stops einzulegen.
Nach gut einer halben Stunde Fahrt führt die Bundesstraße, an den kleineren Gemeinden Vorder- und Unterkrimml vorbei, nach Krimml hinein. Malerisch schmiegt sich das Dörfchen an den Südhang der Berge und bildet gleichzeitig den Abschluss des Salzachtales im Westen.
Schon von weitem hörte ich das Tosen Europas größter Wasserfälle, die bereits im Jahre 1967 mit dem Europäischen Naturschutzdiplom ausgezeichnet wurden. In mächtigen Kaskaden stürzen die Wassermassen mit einer Fallhöhe von sagenhaften 380m über drei Stufen den Berg hinab. Riesige Sprühnebel zauberten abseits der Fälle leuchtende Regenbögen in zart schimmernden Farben. Hunderte Moose, Flechten und Farne finden in diesem Umfeld ihren Lebensraum. Uns bot sich ein überaus beeindruckendes Naturschauspiel. Weniger prickelnd fand ich die exorbitante Vermarktung Krimml’s. Teure Parktickets und massig Verkaufsstände zu Beginn des Wasserfallweges, vollgepfropft mit allem erdenklichen Kitsch rund um den Ort und seiner Touristenattraktion, ließen wirklich keine Zweifel aufkommen, dass es sich hier um einen außergewöhnlich großen Besuchermagneten der Hohen Tauern handeln muss.
Etwas später – beim Abendessen – planten wir für den nächsten Tag eine Tagestour in den Zemmgrund, unweit von Mayrhofen gelegen. Über das nachfolgende Zamser Tal und die Schlegeis-Alpenstraße erreicht man den Schlegeis-Stausee, der – wie viele andere Speicherseen im österreichischen Alpenraum – zur Energiegewinnung genutzt wird.
Spät nachmittags erreichten wir zufrieden den Naglbauerhof. Hinter uns lagen insgesamt 220 wirklich erlebnisreiche Kilometer. Beim Abendessen wurde erneut überlegt, welche Pass- bzw. Höhenstraße sich für eine Tagestour noch anbieten würde. In einigermaßen erreichbarer Nähe schien uns das Rauristal ein lohnenswertes Ziel zu sein.
Heute bietet der Tourismusverein Rauris Urlaubern die Möglichkeit – ausgestattet mit entsprechenden Gerätschaften – an einigen Goldwaschplätzen das „glitzernde Glück“ im Sand der Bäche zu finden. Offenbar ein sehr beliebter Ferienspaß, denn immer wieder sahen wir abseits der Straße – bewaffnet mit Sieben und Schüsseln – Jung und Alt gleichermaßen im Bachbett stehend Nuggets suchen.
Witzig fand ich die am Straßenrand montierten “Kuhsperren” in Form eines unter Strom stehenden Weidezaunpfahls: Zwei dünne, bewegliche Drahtstangen, die man vertikal in Hüfthöhe an jeweils einen Weidepfahl befestigt hatte – sorgten dafür, dass das Weidevieh in seinem Areal gehalten wurde. Mir persönlich war ja diese Vorrichtung anfangs mehr als suspekt, wogegen Gerhard ungerührt mit dem Motorrad hindurch fuhr und mir sofort über Funk versicherte, nicht gestromt worden zu sein – ich war erleichtert!
Am frühen Nachmittag verließen wir das Rauris-Tal und machten uns auf zum 2.941m hohen Hochkönig, einem der herausragendsten Berge im Steinernen Meer. Am besten zweigt man dafür kurz vor Taxenbach nach rechts auf die kleine Höhenstraße nach Embach ab, die u.a. an der Kitzlochklamm vorbeiführt.
In Höhe der Ortschaft Sonnberg-Dienten fiel unser Blick nach einer lang gezogenen Rechtskurve wie elektrisiert auf eine bezaubernde Kapelle, die wie ein Fingerzeig Gottes, auf einer Anhöhe liegend, erhaben über dem Tal trohnt. Hier musste ich einfach für ein paar Fotos am Straßenrand stehen bleiben.
Mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Um bei der Rückfahrt nach Piesendorf nicht den vollkommen selben Weg wie auf der Hinfahrt zum Hochkönig nehmen zu müssen, entschlossen wir uns zuerst bis Dienten und dann weiter über den Filzensattel Richtung Maria Alm nach Zell am See zu fahren. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis zum Naglbauerhof.
Für Freitag – den letzten ganzen Urlaubstag – hatte der Wetterbericht den schönsten und wärmsten Tag der Woche vorhergesagt. Was würde sich als abschließende Tagestour noch anbieten? Die Qual der Wahl war groß. Ich wäre gerne ein gerne die Großglocknerstraße gefahren, weil das Wetter beim ersten Mal nur mäßige Temperaturen, Restschnee und viele graue Wolken zu bieten hatte. Diesmal – so hoffte ich – würden wir sicher mehr Glück haben!
Wohlbehalten kehrten wir abends zum Naglbauerhof zurück. Nach dem Abendessen wurde noch alles reisefertig verpackt, um am nächsten Morgen zeitig nach Hause fahren zu können. Die Tage im Salzachtal waren abwechslungsreich und voller Höhepunkte. Auch landschaftlich ein Gebiet, das es lohnt zu bereisen oder auch zu erwandern. Ein Urlaub auf zwei Rädern, an den ich mich immer gern erinnern werde.
Vollkommen unerwartet bescherte mir das Jahr 2007 eine Reise nach Montreal, wo seit Juli 2003 meine älteste Tochter Anja Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen studiert. Als sie uns an Weihnachten ‘06 fragte, ob es nicht möglich wäre, dass wenigstens einer ihrer Lieben an der bevorstehenden Bachelor-Abschlußfeier teilnehmen könnte, war nach kurzer familieninterner Diskussion klar, dass ich das sein werde
Dann endlich, es war so weit! 8. Juni 2007, die Koffer gepackt, stand der Fahrt zum Flughafen nichts mehr im Weg. Abgesehen von einer Reise nach Griechenland und in die Türkei in den vergangenen Jahren, sollte dies mein erster längerer Flug, meine erste große Reise überhaupt sein und ich war entsprechend aufgeregt. Wider Erwarten verlief alles ohne nennenswerte Zwischenfälle, pünklich hob das Flugzeug in Richtung Kanada ab.
Ziemlich fasziniert war ich vom Ergebnis der 6-stündigen Zeitverschiebung bei meiner Ankunft in Montreal. Gestartet gegen Mittag in München landete ich nach einem knapp 8-stündigen Flug um 13.50 Uhr (Kanada Ortszeit) in Montreal, was mir ein wenig “spanisch” vorkam! Gleich nach der Gepäckausgabe empfing mich vor dem Flughafengebäude meine Tochter, die – zusammen mit ihrem kanadischen Freund – das “Empfangskommite” bildete. Mein ganz persönliches Abenteuer konnte beginnen – vor mir lagen 10 Tage Aufenthalt in einer der schönsten und interessantesten Metropolen der Welt.
Die folgenden Tage hatte mich der Jetlag fest in seiner Hand. Am nächsten Morgen wachte ich schon zeitig auf und fühlte mich putzmunter, während mein Töchterchen friedlich schlafend in ihrem Bett schlummerte. Was tun? Nach einer Tasse Kaffee und einer schnellen Morgentoilette schien eine kleine Erkundungstour für den Anfang genau das Richtige zu sein. Es war ein fantastisch schöner Sommermorgen und ich war voller Tatendrang……
Lange vor meiner Reise über den großen Teich erklärte mir meine Tochter mehrmals, dass – im Vergleich zu Europa – die räumlichen Dimensionen Kanadas vollkommen andere wären. “Maam, da wirst du etwas umdenken müssen!”, erklärte sie mir bei unseren Telefonaten wissend .
Nach einer langen langen Weile erreichte ich endlich Anja’s Appartement – sie hatte mich mittlerweile schon vermisst. Für den Nachmittag beschlossen wir den “Jardin Botanique” nahe des ehemaligen Olympiageländes zu besuchen. Der Anblick des gigantischen Freigeländes und die teilweise imposanten Bauwerke gleich neben dem “schiefen Olympiaturm” beeindruckten mich im ersten Moment enorm.
Am nächsten Tag besorgte meine Tochter in der nahen Metrostation für mich ein Wochenticket inklusive Übersichtsplan. Damit war – zumindest für den Anfang – meine eigenständige Mobilität gesichert. Metro fahren in Montreal ist im Grunde genommen nichts anderes, als wäre man mit der U-Bahn in München unterwegs… nur größer ist alles – meistens jedenfalls! Was mir besonders auffiel war die Tatsache, dass wirklich jeder mit Rucksäcken oder Taschen gleich welcher Art unterwegs war, in denen der obligatorische mp3-Player untergebracht wurde.
Schwieriger ist es dagegen – nach meinem Empfinden – in der Stadt mit dem Bus zu fahren. Fast bis zum Schluß meines Aufenthalts blieb es mir im Verborgenen, wie man es schafft den richtigen Bus in die richtige Richtung zu nehmen. Erschwert wurde dies zusätzlich durch die meist sehr unfreundlichen Busfahrer/-innen, denen es offenbar lästig war, wenn sie – noch dazu auf ENGLISCH – um Auskunft gebeten wurden. So beschränkte sich meine motorische Mobilität auf die Metro, wo ich zumindest grob in die Richtung kam, die ich erkunden wollte. Ansonsten war “Fußarbeit” angesagt, was meiner bis dahin leidlichen Kondition sehr entgegenkam……
Erst nach einigenTagen begann mein Körper sich vorsichtig an die Zeitumstellung zu gewöhnen. Ich konnte mittlerweile nachts durchschlafen und wachte morgens gegen sieben auf. Es folgte ein kleines Frühstück und weiteren Erkundungstouren stand danach nichts mehr im Weg.
Den höchsten Punkt Montreals findet man am “Mont Royal”. Auf ihm errichtete im Jahre 1535 Jacques Cartier bei seiner zweiten Expedition zu Ehren des französischen Königs Franz I. ein mächtiges Holzkreuz, das noch heute als beliebtes Ausflugsziel dient. Damals lebten rund um den Berg, dem Gebiet der heutigen Mc Gill Universität, etwa 1000 Indianer. Deren Vorväter besiedelten schon im 5. Jahrhundert die Region um die heutige Stadt. Das eigentliche Gründungsdatum Montreals wird allerdings auf das Jahr 1642 datiert, als ein gewisser Paul de Chomedey eine französische Siedlung namens “Ville Marie” auf der “Isle de Montréal” ins Leben rief.
In der Geschichte Montreals wird in den darauf folgenden Jahrzehnten an Scharmützeln nicht gerade gespart. Immer wieder kam es mit den Irokesen, die keine Lust hatten sich von den Neuankömmlingen missionieren zu lassen, zu blutigen Auseinandersetzungen. Erst im Jahre 1701 schlossen die Franzosen im “Vertrag von Montréal” Frieden mit den Indianern. Wichtigstes Handelsgut der damaligen Zeit waren im übrigen Pelze, die aus dem Hinterland zu hunderttausenden herangeschafft wurden.
Absolutes Highlight war ohne Zweifel der Besuch des “Grand Chalet’s” nachts gegen 22.00Uhr. Ein wenig witzig war schon die Anfahrt in Richtung des Plateaus. Seitlich am Straßenrand befanden sich in Abständen zwei Parkplätze, die ebenfall als Aussichtspunkte genutzt werden. Hier parkten – dicht an dicht – ein Auto neben dem anderen. Wie mir Anjas Freund erklärte, treffen sich an dieser Stelle Nacht für Nacht dutzende Jugendliche – die meisten unter 18 – und feiern ausgelassen irgendwelche Feste. Nach kurzer Parkplatzsuche machten auch wir Halt, zwecks Aussicht, doch – was lugte denn da aus einem der Abfallkörbe?? Wir hatten einen Waschbären bei seiner Beutesuche gestört
Vom Place-des-Artes aus gelangt man auf eine der schillerndsten Einkaufsstraßen der Innenstadt, die “Rue Ste Catherine”. Wer bei einem Besuch in Montreal nicht wenigstens einmal an den unzähligen Boutiquen, Cafes und Restaurants vorbeiflaniert ist, ist wirklich zu bedauern und hat ein Stück “real life” Montreals schlichtweg ausgelassen!. Ich selbst querte allerdings aus einer ganz anderen Ecke auf die Straße auf – zu Fuß versteht sich – und irgendwann – in sengender Mittagshitze – hatte ich fast schon die Hoffnung aufgegeben jemals wieder den Eingang einer Metrostation zu finden, was die Behauptung meiner Tochter, Rue Ste Catherine wäre endlos, in meinen Augen nur untermauerte.
Während meines Spazierganges auf dem weitläufigem Gelände der Insel entdeckte ich vollkommen unverhofft ein paar putzige Vierbeiner. An einer Stelle des Flußufers tummelten sich in der Morgensonne munter einige Murmeltiere und irgendwie erinnerte mich ihr Anblick an den Film “Und ewig grüßt das Murmeltier”. Leider waren die possierlichen Tierchen sehr scheu, sodass ich mich ihnen nur bis auf knapp 20 Meter nähern konnte. Überhaupt begegneten mir gerade auf dieser Insel das eine oder andere typisch “amerikanische” Objekt, wie z.B. die großen gelben Schulbusse, die ich aus amerikanischen Fernsehfilmen kannte.
Als ich nach knapp zwei Wochen Urlaub für den Rückflug wieder am Flughafen Montreal stand, war ich trotz der vielen Erlebnisse in dieser faszinierenden Stadt froh bald heimatliche Erde unter den Füßen zu spüren. Beim Landeanflug auf München’s Flughafen dankte ich im stillen meinem Herrgott, in Bayern wohnen zu dürfen
) Von oben betrachtet erschien mir dies Fleckchen Erde als überschaubar und wohlgeordnet. Es war schön wieder daheim zu sein! Hinter mir lagen teils abenteuerliche Tage, die man zusammenfassend umschreiben könnte mit: “Kevin allein in New York”……….. es war ja soooo cool!
































































































