Bayern – Land, Leute, Kultur

Bischof Arbeo von Freising schrieb im 8. Jahrhundert über Bayern: “Herrlichstes Land, erstrahlend in Anmut, überreich an Wäldern, fruchtbar an Wein, ergiebig an Eisen, an Gold und Silber und Purpur. Die Männer hochgewachsen und strotzend in Kraft, aber gutmütig und handsam. Das Erdreich gesegnet mit Garben, Zugvieh und Herden, so viel, dass Sie fast den Boden bedecken. Auch das Bergland fruchtbar und für die Weide bereit, gute Kräuter im Überfluss. Die Wälder prachtvoll besetzt mit Hirschen und Elchen und Auerochsen, mit Gemsen und Steinböcken und mit Wildzeug aller Art.”

So oder ähnlich ist es bis heute geblieben: Sanft geschwungene Hügelketten, liebliche Täler und imposante Bergketten prägen das Land. Flüsse, die sich hie und da zu Seen stauen, urwüchsige Auenlandschaften, ausgedehnte Wälder und weites Ackerland malen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild.

Altehrwürdige Wallfahrtsorte und traditionsreiche Städte mit historischem Charme locken Besucher aus Nah und Fern. Vielerorts finden sich romantische Ortschaften mit prächtigen Kirchenbauten und reizvollen Schlossanlagen, die noch heute einen Hauch des „königlich bayerischen“ verströmen. Der Freistaat begeistert nicht nur “ die Auswärtigen“ sondern auch uns „Alteingesessene“ mit einem großen Repertoire an Sehenswürdigkeiten landauf und landab .

Kein Wunder also, dass malerische Landschaften, bodenständige Traditionen, ein vielfältiges kulturelles Angebot und nicht zuletzt unsere bayerische Küche  Urlauber jeder Couleur und Nationalität es nach Bayern zieht. So unterschiedlich wie das Land so vielschichtig ist auch die Bevölkerung Bayerns.

Über sie schreibt u.a.  Joseph Görres, als er sich im letzten Jahrhundert mit Fragen des Volkstums auseinandersetzte: „Der Schlag ist rau, aber nicht roh und grob, heftig, aber nicht bösartig, es liegt ein großes Kapital an Kraft und natürlicher Anlage in ihm.“

Viele urwüchsige Bräuche, die in der Regel auf eine alte und wechselvolle Geschichte des Freistaats zurückgeführt werden können, werden nach wie vor in den unterschiedlichen Regionen Bayerns mit viel Engagement gepflegt.

Frauenkapelle „Maria, Zuflucht der Sünder“, Altenmarkt/Osterhofen

„Anno 1632, als die Schweden schon so nahe gegen Osterhofen heranrücken, dass man aus den Häusern flieht, geloben zwei hiesige Klosterbedienstete (der Hofwirt und der Herrnkoch), bei Errettung von Gewalt und Überfall, eine Kapelle zu bauen. Sie halten Wort – dank vieler Helfer. Abt Christoph Dimpfl (ein hochangesehener Mann) tut das Seine und stiftet das wertvolle Gnadenbild. 1641 lässt er die Kapelle (rechts) durch 2 Seitenkapellen und einen Vorbau (links) erweitern.“

Schon beim Betreten der kleinen Kapelle ist man umgeben von einem Hauch Altertum und fühlt sich versetzt in eine Zeit, die geprägt war von tiefem Glauben an die Kirche und ihre Heiligen.

Die Kapelle, die 1640 eingweiht wurde, war – neben der Asambasilika – bis ins 19. Jahrhundert ein beliebter regionaler Wallfahrtsort. Links auf dem Bild eine Reihe von Votivtafeln, die im Altarbereich angebracht sind.

Der gesamte Innenraum der Kapelle ist geschmückt mit kunstvoll gearbeiteten Wand- und Deckenmalereien, die man so – außen vor dem Kirchlein stehend – niemals erwarten würde. Drei fein geschwungene, filigrane Eisentore – eingelassen zwischen zwei gemauerten Säulen – trennen den Altar- vom Betraum. In jedem Fall lohnt ein längerer Blick in das kleine Kirchlein, das gegenüber der Asambasilika steht und somit leicht zu finden ist. Trotz der überschwenglichen Malereien ist die Kapelle von einer klaren Linie gezeichnet, die es einem enorm erleichtert jedes Detail – und sei es noch so winzig – zu erkunden.

„Asambasilika“ Altenmarkt/Osterhofen

Vìs á vìs der Frauenkapelle steht in Altenmarkt eine der schönsten spätbarocken Kirchen Bayerns (ehemalige Prämonstratenserklosterkirche St. Margaretha) und durchaus vergleichbar mit solchen Berühmtheiten wie der Wieskirche in Oberbayern.

Die Stiftskirche, die einem ehemaligen Prämonstratenser-Kloster angegliedert ist, wurde 1740 geweiht und von Papst Johannes Paul II. 1983 zur päpstlichen Basilika (Basilika minor) erhoben. Sie ist das erste selbstständige Meisterwerk des später erfolgreichen, aus der Oberpfalz stammenden Baumeisters Johann Michael Fischer.

Berühmt wurde die Basilika wegen ihrer barocken Ausstattung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Sie besitzt als einziges Gotteshaus neun Altäre in wunderbarem, farbigem Stuckmarmor. Der mächtige Hochaltar von Egid Quirin Asam ist eine der bedeutendsten Schöpfungen des bayerischen Barocks. Vier gedrehte Säulen tragen einen Baldachin mit dem Lamm Gottes als Bekrönung. Das überdimensionale Altarbild von Cosmas Damian Asam (datiert 1732) zeigt die Entrückung der Kirchenpatronin Margareta. Auch die beiden ersten Nebenaltäre von 1731 bis 1735 sind mit reichen figürlichen Darstellungen ausgestattet. Die Seitenkapellen-Altäre mit den heiligen Norbert und Nepomuk entstanden 1734/35, die Kanzel 1735.

Das riesige Deckenfresko von 1732 schildert das Leben und die Glorifizierung des Ordensgründers Norbert von Xanten. Unter dem Turm porträtierte der Maler Cosmas Damian Asam sich selbst als reumütiger Zöllner. Ein Unikat ist außerdem die in Stuck gearbeitete, prachtvolle Rückwand des Chorgestühls.

„Die Schlacht von Aidenbach“, Reschdobl im Rottal

Nicht nur religiöse Traditionen haben das bayerische Volk geprägt. Die Bauern mussten oft schwer um ihre – im wahrsten Sinne des Wortes – „Existenz“ kämpfen.

Im „Spanischen Erbfolgekrieg“ beispielsweise quälten die Österreicher „das arme Bayernland“ mit ständigen Schikanen, hohen Abgaben, Zwangsrekrutierung der Jugend und Folterungen. Unter dem Motto: „Lieber bairisch stea’m, als kaiserlich verdea’m!“ sah das Landvolk als letzten Ausweg nur noch den Aufstand gegen die unliebsamen kaiserlichen Besatzer.

In Niederbayern führte der Schreiber am Pfleggericht, Georg Sebastian Plinganser, Johann Georg Meindl und Johann Hoffmann den wilden Haufen der Aufständischen an. Bewaffnet mit Mistgabeln, Dreschflegeln und einer gehörigen Portion Verzweiflung stürzten sich sich voller Inbrunst in die Schlacht.

In Folge wurde das eigentlich eher ruhige und beschauliche Rottal rund um Aidenbach zum Zentrum des Bauernaufstandes. Im Jahre 1705 war das Heer der Bauern auf immerhin 20 000 Mann angewachsen. Anfangs konnte man sogar erste Erfolge im Widerstand gegen die „Kaiserlichen“ verbuchen. Plinganser hatte vor die Österreicher einzukesseln und ihnen damit den Rückweg über den nahen Inn abzuschneiden.

Doch der Plan ging nicht auf, die blutige Schlacht endete – wie zu erwarten war – tragisch: Bei der „Schlacht von Aidenbach“ wurden am 8. Januar 1706 die aufständischen Bauern zu Tausenden von den kaiserlichen Soldaten niedergemetzelt. Ihr Anführer – Georg Sebastian Plinganser – kam in Kerkerhaft, von der er allerdings nach einiger Zeit begnadigt wurde.

Zum Erinnerung an die verlorene Schlacht, den tapferen Einsatz der Bauern in dem ungleichen Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit, wurde in Reschdobl nahe Aidenbach 1951 ein „Bauernschlacht-Denkmal“ eingeweiht. Dort gedenkt man seither am Jahrestag des Dramas in einer Feier an jene unheilvollen Tage.

27. September 2006