Dreisessel – Dreisesselregion

Gemäß einer Sage, die auch Adalbert Stifter in seinem „Hochwald“ erzählt, sollen sich einst die Könige von Bayern, Böhmen und Österreich auf dem Gipfel des Dreisesselbergs versammelt haben, um über die Grenzen ihrer Herrschaftsbereiche zu verhandeln. In Wirklichkeit kam der Name „Dreisessel“ erst im 17. Jahrhundert in Gebrauch, zunächst für die auffällige Felsgruppe auf dem Gipfel, bald aber für den ganzen Berg.

Der genaue Grenzverlauf wurde erst 1765 zwischen dem Hochstift Passau und dem Erzherzogtum Österreich verbindlich festgelegt und 1767 vermessen. Die Grenze zu Tschechien verläuft rund 370 m südöstlich am Gipfel des Dreisesselbergs vorbei. Das nahe dem Berg Plöckenstein gelegene Dreiländereck Deutschland−Österreich−Tschechien befindet sich rund 3 km südöstlich des Dreisesselbergs. Adalbert Stifter setzte dem Dreisesselberg – außer in der Erzählung „Hochwald“ – in seinem letzten Roman Witiko und in seiner letzten Erzählung „Aus dem baierischen Walde“ (beide 1867), ein literarisches Denkmal. Seinen Berichten zufolge war der Dreisesselberg damals bereits ein vielbesuchtes Ziel von Wanderern. Schon 1888 ließ die Sektion Dreisessel des Bayerischen Waldvereins das erste Schutzhaus errichten. Neben diesem entstand 1913 das heutige Gebäude, das in den 1960er Jahren modernisiert wurde. (Quelle: Wikipedia)

 


Mitte 2006 war ich das erste Mal „auf dem Dreisessel“, dessen Gipfel man ohne große körperliche Mühen besteigen kann. Vielleicht war auch das der Grund, warum ich der Region um den Dreisessel herum in den letzten Jahren immer wieder mal einen Besuch abgestattet habe, vielleicht aber war es auch einfach nur die herrliche Gegend, die mich seither in ihren Bann gezogen hat.

Die Stipvisite auf das Dreisesselplateu an einem wunderbar sonnigen Sonntagnachmittag fiel allerdings nicht ganz ohne ungläubiges Staunen aus, als ich beim Anstieg vom großen Parkplatz aus – einige Meter unterhalb des Gipfels gelegen – die kahlen Bäume sah, die schon zu dieser Zeit Adalbert Stifter’s geliebten Hochwald prägten. Rund um den Dreisesselgipfel selbst standen nur noch wenige gesunde Fichten zwischen Tot- und Windwurfholz. Nicht nur der Borkenkäfer ist hier als Feind des Hochwaldes erkannt, sondern die seit Jahren zunehmende Luftverschmutzung und häufiger Windwurf tragen das ihrige zur Zerstörung jahrhunderte alter Bergwälder bei…. auch am Dreisessel. Immerhin – der Bergrücken in Richtung Plöckensteinsee war 2006 noch dicht bewaldet, während heute – 2009 – nur noch ein Meer nackter Bäume auszumachen ist.


Dreisessel 2006:

Vís à vís der Grenze sieht man auf tschechischer Seite dasselbe Bild – zunehmend mehr verkahlen die Fichten ehemals riesiger und gesunder Waldflächen. Vom Hochficht aus – dem schönsten Aussichtspunkt am Dreisessel – blickt das Auge kilometerweit auf eine Waldwüste, die einen fast schon erschauern lässt. Traurig wird es einem ums Herz, wenn man sieht, wie langsam aber sicher der Wald stirbt – hüben und drüben.

Einzig – zartes Grün zwischen silbergrauem totem Holz, das mutig in die Höhe wächst, lässt einen hoffen auf eine langsame Regenerierung dieser Waldregion. Das Forstamt Neureichenau hat, um einer weiteren Verbreitung des Borkenkäfers vorzubeugen, im Frühjahr 2009 begonnen kranke und vom Käfer befallene Bäume zu fällen und abzutransportieren. Gleich hinter dem Berggasthof Dreisessel, auf dem Weg zum Hochstein, hat man den Eindruck in ein phänomenales Schlachtfeld geraten zu sein. Links und rechts des gekiesten Wanderweges liegt gefälltes Holz, Äste und Wurzelwerk. Auf kleinen Hinweisschildern des Forstes wird man dezent darauf hingewiesen, dass zwischen all diesen Baumleichen neuer und frischer Aufwuchs nicht lange auf sich warten lassen wird.


Dreisessel Mitte Mai 2009:


Angesichts der momentanen Situation mag es Außenstehenden schwer fallen dieser positiven Prognose zu glauben. Jedoch – Werden und Vergehen stehen gerade in der Natur in engem Zusammenhang und so bin ich der Meinung, dass nach einem Ende auch wieder ein Anfang kommen wird und kommen muß! Beispiele dafür gibt es einige, man denke dabei nur an die erfolgreiche Renaturierung im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald, die sich – ohne unser Zutun – mehr und mehr fortsetzt. In einigen Jahren wird junges und zartes Grün die Leere am Dreisessel vergessen machen. Robustere, an den Klimawandel angepasste Baumarten und Büsche werden sich einfinden und ein neues „grünes Dach“ wachsen lassen.

Dreisessel Winter 2008/09:

14. Juni 2009